Bürokratie – was Bäcker nervt

Bürokratie – was Bäcker nervt

Die Bürokratiebelastung gefährdet die Zukunft des Bäckerhandwerks. Sie sei einer der Gründe, warum das Handwerk als Einzel- oder Familienbetrieb immer unattraktiver werde. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Online-Befragung unter baden-württembergischen Bäckereibetrieben. Im Schnitt wende ein Betrieb 12,5 Stunden pro Woche für die Erfüllung bürokratischer Pflichten auf. In anderen Bundesländern dürften die Belastungen nicht weniger groß sein.

Der Bericht zu „Entlastungen für das Bäckerhandwerk“, den der Normenkontrollrat Baden-Württemberg, jetzt vorgelegt hat, enthält 20 Vorschläge, deren Zuständigkeit zur Entlastung etwa zur Hälfte beim Bund und beim Land liegt. Auch Vertreter der Landesinnungsverbände des Bäckerhandwerks in Württemberg und Baden haben an dem Bericht mitgearbeitetet. Allein die wichtigsten Vorschläge des Gremiums, dass regelmäßig die Auswirkungen von Bürokratie auf die Wirtschaft untersucht, würden das Bäckerhandwerk in Baden-Württemberg innerhalb der nächsten fünf Jahre um 70 Millionen Euro entlasten.

„Die Bäckereistudie als erste Branchenstudie im Land legt repräsentativ die Bürokratiebelastung von kleinen Unternehmen auf Landesebene offen“, sagte die Vorsitzende des Normenkontrollrats Dr. Gisela Meister-Scheufelen bei der Übergabe des Berichts an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Foto). „Gerade in Krisenzeiten ist es notwendig, kleine Betriebe von unnötiger Bürokratie zu entlasten.“

Weniger Dokumentationen nötig
Eine der Forderungen: Die schriftliche Dokumentation auf das Notwendige reduzieren. Lebensmittelkontrolleure fordern häufig schriftliche Dokumentationen, ob die Kühltemperatur eingehalten wurde, ordnungsgemäß gereinigt wurde oder die Wareneingangskontrolle durchgeführt worden ist. „Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung zur schriftlichen Dokumentation, sondern die Verpflichtung zur Eigenkontrolle“, heißt es in dem Bericht.

Lebensmittelkontrolleure sollten deshalb besser überprüfen, ob in den Betrieben ein wirksames System der Eigenkontrolle vorhanden ist. So dürfte es bei der Kühltemperatur ausreichen, wenn Kühlgeräte über eine digitale Anzeige, automatische Warnmechanismen und eine automatische Temperaturaufzeichnung verfügen. Besonders problematisch sei es, dass die Anforderungen an den Nachweis der Eigenkontrolle im Land völlig unterschiedlich sind.

Bonpflicht bleibt ärgerlich
Die Bonpflicht steht bei der gefühlten Bürokratiebelastung bereits an dritter Stelle. Der Bondruck und die Übergabe an den Kunden nehmen zwar nur wenig Zeit in Anspruch. Aufgrund der Häufigkeit des Vorgangs in Verbindung mit den Sachkosten für das benötigte Bonpapier entstehen für das Bäckerhandwerk in Baden-Württemberg jährliche Bürokratiekosten von rund 9,4 Millionen Euro. Bei 93 Prozent der Geschäfte liegt der Kaufpreis unter 10 Euro. Aufgrund dieses hohen Anteils geringer Umsätze würde eine Bagatellgrenze von 10 Euro zu Einsparungen in Höhe von 8,7 Millionen Euro pro Jahr führen. In Frankreich werde dieses Verfahren bereits eingesetzt.

Den kompletten Bericht können Sie hier herunterladen. Tipp: Besonders lesenswert.

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