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Abendessen – Klima schützen

Anlässlich des heutigen Welttages des Brotes weist das Deutsche Brotinstitut auf die Tradition des Roggenanbaus in Deutschland hin. Foto: Deutsches Brotinstitut

 

Obwohl Roggengetreide eine lange Tradition hierzulande habe und Bestandteil des beliebten Mischbrotes sei, werde immer weniger Roggen angebaut, so das Deutsche Brotinstitut anlässlich des Welttages des Brotes. Dabei habe die Getreidesorte ökologische Vorteile, die sich besonders in Zeiten des Klimawandels günstig auf unsere Böden auswirken. Ein Zusammenhang, der sich auch wunderbar für das eigene Marketing nutzen lässt.

Für Prof. Dr. Meinolf Lindhauer, langjähriger Leiter des MRI-Institutes für Sicherheit und Qualität bei Getreide, hat der Roggen ökologische Vorteile: „Mit einer verstärkten Nachfrage nach roggenhaltigen Backwaren können Verbraucher einen nicht unerheblichen Beitrag zur Ausweitung der Fruchtfolge im Pflanzenbau leisten, damit also zur Biodiversität.“ In Zeiten des Klimawandels sei es zudem bedeutsam, dass Roggen genügsamer ist und auch auf trockenen Böden gut wächst.

Über 1.200 Jahre lang war der Roggen das beherrschende Kulturgetreide unseres Landes. Bis vor 60 Jahren wurde stets mehr Roggen als Weizen geerntet und gemahlen. Seitdem steigt der Weizenanteil Jahr für Jahr, während der Roggen stagniert, so auch im Erntejahr 2019. Roggen ist in vielen traditionellen Broten zu finden und eine Basis der nach wie vor beliebtesten Brotsorte in Deutschland, dem Mischbrot (28,1 Prozent Marktanteil in 2018). Mischbrot wird aus einer Mischung von Weizen und Roggen gebacken, bei Roggenmischbroten überwiegt der Roggenanteil sogar.

Hinzu kommen ernährungsphysiologische Vorzüge, wie Ernährungswissenschaftler Dr. Heiko Zentgraf aus Bonn betont: „Ballaststoffe sind für eine ausgewogene Ernährung unverzichtbar. Brot ist deren Hauptlieferant in unserer Ernährung und Roggen besitzt den höchsten Ballaststoffanteil aller Getreidearten. Wissenschaftliche Studien belegen Schutzfunktionen gegen Erkrankungen wie Darmentzündungen, Darmkrebs oder Hämorriden. Der regelmäßige Verzehr von Brot, gerade in Form von Vollkornbrot, trägt somit zur Erhaltung unserer Gesundheit bei.“

Klare Empfehlung für charakterstarke Roggenbrote

Auch das Deutsche Brotinstitut empfiehlt den Verzehr von Roggen und hat hierzu das Bauernbrot bereits zum „Brot des Jahres 2019“ ernannt. Hierzu Bernd Kütscher vom Brotinstitut: „Roggenhaltige Brote wie das Bauernbrot sind in der Regel saftiger und halten sich länger frisch, was Lebensmittelverschwendung vermeidet. Bei traditionellen Brotmahlzeiten wie dem Pausenbrot oder dem Abendbrot sind roggenhaltige Brote aus unserer Sicht besonders empfehlenswert. Ein beim Backen mit Roggen notwendiger Einsatz von Sauerteig und die kräftige, charakterstarke Kruste machen roggenhaltige Brote sehr aromatisch, zudem sind sie mit Brotaufstrichen und Brotbelägen vielfältig kombinierbar.“

Weizen dominiert im Getreideanbau, Roggen weiter rückläufig

Nach Erhebungen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wurden in diesem Jahr hierzulande rund 23 Millionen Tonnen Weizen (Triticum) geerntet, aber nur noch 3,3 Millionen Tonnen Secale Cereale, wie der Brotroggen botanisch bezeichnet wird. In der Gesamt-EU ist der Unterschied noch deutlicher, hier wurden laut Eurostat in diesem Jahr 143,5 Millionen Tonnen Weizen und nur 8,5 Millionen Tonnen Roggen geerntet. Lediglich ein Teil der Ernten wird für die Brotherstellung vermahlen, im letzten Erntezahl waren dies in Deutschland 6,9 Millionen Tonnen: 6,2 Millionen Tonnen Weichweizen und 0,678 Millionen Tonnen Roggen. Somit entfällt nicht einmal mehr 10 % der Gesamtvermahlung von Brotgetreide in Deutschland auf den Roggen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. So ist der Anbau von Roggen schwieriger, weil das Getreide oft sehr langstrohig ist. Der Roggenpreis liegt zudem pro 100 Kilogramm immer ein bis zwei Euro unter dem Weizenpreis, was ihn für Landwirte ökonomisch unattraktiver macht. Hinzu kommt, dass in Deutschland viel gedüngt wird, was es beim Roggen nicht in diesem Maße braucht. „Beim Roggenanbau müssen deutlich weniger Dünger und auch Pflanzenschutzmittel als beim Weizen eingesetzt werden, zum Beispiel bei Fungiziden gegenüber dem Weizen in der Regel nur ein Drittel“, so Prof. Dr. Thomas Miedaner von der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim: „In Dänemark stieg die Roggenanbaufläche um das 3,5 fache, als strikte Düngungsrichtlinien von der Regierung verabschiedet wurden, somit weniger Stickstoff.“