Top-News

Bio-Backwaren – es geht auch einfach

Thomas Nolte ist Geschäftsführer der C. Siebrecht Söhne KG.

Foto: Töpfer

 

Der Umsatz mit Biolebensmitteln wächst kontinuierlich. In den vergangenen zehn Jahren hat er sich nahezu verdoppelt und erreichte 2017 einen Anteil am Gesamtmarkt von 5,4 Prozent. Was bedeutet das für die Backbranche? Und welche Rolle spielt Clean Label? Ein Interview mit Thomas Nolte, Geschäftsführer der C. Siebrecht Söhne KG, die mit ihrer Marke Agrano Schweizer Brotkultur für Bäcker in Deutschland verfügbar macht.

back.intern.: Im Supermarkt liegen Bioprodukte und konventionelle Lebensmittel ganz selbstverständlich nebeneinander. Warum klappt das in Bäckereien nicht?

Nolte: Bäcker glauben offenbar nicht so richtig an den Bio-Boom. Sie sind es gewohnt, mit neuen Produkten schnell Erfolg zu haben oder sie schnell wieder aus dem Sortiment zu nehmen, wenn es nicht gleich sehr gut läuft. Bei Bioprodukten braucht man etwas längeren Atem und muss sie aktiv bewerben.

back.intern.: Sie setzen sich seit Jahren für Bioprodukte und Clean Label ein. Warum wollen Sie Bäcker bekehren?

Nolte: Unsere Aufgabe ist es nicht, Bäcker zu bekehren. Wir wollen ihnen helfen, vom wachsenden Markt zu profitieren und gleichzeitig etwas für das Image ihrer Betriebe zu tun. Der Verbraucher will Bio. Er fühlt sich besser, weil die Produktion von Bio-Mehl, Bio-Milch und Bio-Eiern besser für die Umwelt und die Tiere ist. Immer mehr Menschen wollen mit ihrem Handeln die Welt ein bisschen besser machen. Und sei es mit dem Kauf von Bio-Produkten.

back.intern.: Bäcker scheuen den Aufwand der Zertifizierung und die höheren Rohstoffkosten.

Nolte: Ganz klar, Biozutaten sind teurer, aber dafür ist der Rohertrag pro Gebäckstück auch besser. Am Ende zahlt sich Bio aus. Und die Zertifizierung ist weniger aufwändig als viele denken. Kein Verbraucher erwartet, dass alles beim Bäcker bio ist. Mit drei oder vier Produkten ist ein Einstieg in den Markt möglich. Dann gibt es ja auch die Möglichkeit, Bioprodukte von Kollegen zuzukaufen.  

back.intern.: Was tut Siebrecht konkret, damit Bäcker von Bio profitieren?

Nolte: Mit unseren Zutaten wie Bio-Hefe, Bio-Vorteigen oder Bio-Backmischungen machen wir ihnen den Einstieg einfach, schließlich hat Agrano als Erfinder der Bio-Hefe eine jahrzehntelange Kompetenz. In der Schweiz, wo die Marke Agrano zu Hause ist, liegt der Bioanteil deutlich über dem in Deutschland. Von diesem Know-how profitieren unsere Kunden. Wie wichtig uns das Thema Bio ist, zeigt auch, dass wir schon seit 2010 Mitglied des Bioland Verbandes sind und Bioland-Backmittel im Programm haben.

back.intern.: Welche Rolle spielen Clean-Label-Produkte fürs Image?

Nolte: Clean Label eignet sich im Gegensatz zu Bioprodukten nicht fürs Ausloben im Brotregal. Aber immer mehr Bäcker stellen die Zutaten ihrer Produkte ins Internet und da ist es sicherlich von Vorteil, wenn die Zutatenlisten möglichst kurz ist. Der Kunde verlangt einerseits Transparenz und will sich andererseits bestätigt sehen, beim richtigen Betrieb eingekauft zu haben. Kurz gesagt: Er will seine Kaufentscheidung absichern. Und dabei hilft Clean Label.

back.intern.: Wie lässt sich die Zutatenliste kurz halten?

Nolte: Vorteige sind ein wichtiger Baustein dafür, wir entwickeln sie nach einem ausgeklügelten Verfahren. Sie sparen den Bäckern Zeit, schaffen ursprünglichen Genuss  und sind ein wichtiges Marketinginstrument für ihn. Um die Zutatenliste kurz zu halten setzen wir generell keine künstlichen Aromen, Farbstoffe und gehärtete Fette ein und haben es uns zur Aufgabe gemacht, so  wenig Zusatzstoffe wie möglich zu verwenden. So entstehen deklarationsfreundliche Vor- und Fertigmischungen, Backmittel, Vorteige und Sauerteige sowie Glasuren und Geleirmittel. Sie machen es dem Bäcker einfach und er erhält auch in Zeiten des Fachkräftemangels sichere Produkte, die sofort einsatzfähig sind. 

back.intern.: Sollte der Bäcker auch vegane Lebensmittel anbieten?

Nolte: Das ist bei Brot und Brötchen kein Thema. Bei Snacks brauchen Bäcker allerdings schon eine Antwort für Veganer. Wichtig ist, dass die Produkte auch Nicht-Veganern schmecken, sonst verzetteln sie sich mit ihrem Angebot.