Betriebe brauchen klare Perspektive
Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln im Handel steigt seit Jahren kontinuierlich an, dennoch stellen kaum Betriebe um. Grund seien die von großen Unsicherheiten geprägten politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, meldet der Ökoverband Naturland. Vor diesem Hintergrund würden Naturland und Bioland von der Politik eine klare strategische Perspektive fordern und verlässliche Rahmenbedingungen für die notwendige Ökologisierung der Landwirtschaft. Dies betreffe insbesondere die Regelungen zur Öko-Tierhaltung sowie die Ausgestaltung der europäischen Agrarförderung ab 2028. „In den vergangenen Jahren haben innovative Bio-Betriebe die Tierhaltung kontinuierlich weiterentwickelt, etwa durch neue, tierwohlgerechtere Stallsysteme. Mit der Öffnung der EU-Öko-Basisverordnung hat die EU-Kommission nun die Möglichkeit geschaffen, Regeln anzupassen und so die Zukunft der Öko-Tierhaltung zu sichern. Dabei sind vor allem zwei Dinge wichtig: Planungssicherheit für Investitionen sowie praxisnahe Vorgaben für die Umsetzung“, sagte Naturland-Präsident Eberhard Räder auf der Naturland Delegiertenversammlung.
Bedeutung der europäischen Agrarförderung (GAP)
Bioland-Präsident Jan Plagge hob in seinem Gastbeitrag vor den Naturland-Delegierten die Bedeutung der europäischen Agrarförderung (GAP) ab 2028 hervor: „Unsere Bio-Betriebe erbringen jeden Tag konkrete, belegbare Leistungen für Umwelt, Artenvielfalt, Tier und Klima. Gleichzeitig machen enge betriebliche Kreisläufe sie widerstandsfähiger gegenüber Krisen. Gerade in unsicheren und schnelllebigen Zeiten brauchen sie für ihre Arbeit aber dringend mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Die Weichen dazu müssen in Brüssel gestellt werden: mit einer GAP ab 2028, die die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Bio-Betriebe anerkennt und weiterhin verlässlich bezahlt. Wer als Betrieb nachhaltig wirtschaftet, muss davon anständig leben können.“ Mit seiner Rede vor den Naturland Delegierten erwiderte Plagge einen entsprechenden Besuch Räders bei Bioland Anfang März. Ende vergangenen Jahres bereits hatten die Vorstände der beiden Verbände in der gemeinsamen Erklärung „Schulterschluss für mehr Bio“ eine engere Abstimmung ihrer Arbeit in unterschiedlichen Bereichen vereinbart. Gemeinsames Ziel ist es unter anderem, den gesellschaftlichen Mehrwert, den Naturland- und Bioland-Betriebe leisten, sichtbar und messbar zu machen und ein Wettbewerbsumfeld zu schaffen, in dem diese Leistungen auch honoriert werden.
Diskussion über Geschlechtsbestimmung im Ei
Im weiteren Verlauf der Versammlung befassten sich die Delegierten u.a. mit der Frage einer möglichen Neubewertung der Geschlechtsbestimmung im Ei. „Das Bruderhahn-Konzept ist in Süddeutschland und Österreich ein großer Erfolg, weil es gelungen ist, starke Wertschöpfungsketten für Eier als auch Fleisch aufzubauen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass dies im Norden nur eingeschränkt gelungen ist. Zugleich sehen wir bei der Geschlechtsbestimmung im Ei kontinuierlich fortschreitende technische Verbesserungen“, sagte Naturland Vize-Präsident Moritz Reimer. Vor diesem Hintergrund beauftragten die Delegierten das Präsidium, bis zur nächsten Versammlung im Herbst einen Vorschlag zu erarbeiten, unter welchen Voraussetzungen die Geschlechtsbestimmung im Ei künftig als zusätzliche Alternative neben Bruderhahn und Zweinutzungshuhn zugelassen werden könnte. Vorausgegangen waren intensive Abstimmungen des Fachausschusses Geflügel mit den Expert:innen der anderen Verbände, insbesondere Bioland. Jan Plagge: „Es gibt aktuell sehr viel Dynamik in der Thematik, daher beschäftigen sich auch unsere Mitglieder und Fachleute intensiv damit. Im Mittelpunkt stehen Lösungsansätze für Aufzucht und Vermarktung von Bruderhähnen, das Bekenntnis zur weiteren überverbandlichen Förderung der Züchtung von Zweinutzungshühnern sowie die Frage, unter welchen Voraussetzungen Früherkennungstechniken künftig eine Rolle spielen könnten. Bioland und Naturland wollen – unter Einbezug ihrer jeweiligen Gremien – in diesen Fragen möglichst gemeinsam vorgehen und stimmen sich daher sehr eng dazu ab.”
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