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Die Brotfreunde

Willkommen in Rostock-Warnemünde: Bäckerpräsident Michael Wippler empfing Bundespräsident a. D. Joachim Gauck zur Mitgliederversammlung. Foto: Töpfer

 

Draußen grüßte die Scandline Fähre auf dem Weg nach Dänemark die Delegierten mit einem Banner an der Reling und lautem Signal aus dem Schiffshorn. Drinnen sprachen Bundespräsident a.D. Joachim Gauck über Verantwortung und Rostocks neuer Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen über seine Erfahrungen mit der Bürokratie. Wohl selten war eine Mitgliederversammlung des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks so kurzweilig und inspirierend, wie am 1. Oktober 2019 in Rostock. Da gerieten die Vorstandswahlen schon fast zur Nebensache.

Doch beginnen wir mit dem Ende: Michael Wippler wurde erneut zum Präsidenten gewählt. Mit stolzen 90,54 Prozent, und das in geheimer Wahl. Das konnte nur noch Jürgen Hinkelmann toppen, der mit 74 von 75 abgegebenen Stimmen als Nachfolger für Heribert Kamm zum Vizepräsident gewählt wurde. Rekordverdächtige 98,67 Prozent. Die Delegierten bestätigten Wolfgang Schäfer als Vizepräsident mit 79 Prozent; auch Maren Andresen (70 %) und Karl-Heinz Hoffmann (ebenfalls 70 %) bleiben weiterhin Präsidiumsmitglieder.

 

Wippler kämpft weiter gegen Bürokratie

Wippler kündigte an, an seiner Führungslinie festzuhalten und die Bedingungen im Bäckerhandwerk – vor allem die bürokratischen Lasten – zu verbessern: „Bürokratie ist ein selbst wachsendes Monster. Wir dürfen nicht nachlassen, wir müssen immer den Finger in die Wunde halten, um diesen Umstand für unser Handwerk zu verbessern. Ich werde mich auch in Zukunft mit meinem ganzen Engagement für das Bäckerhandwerk einsetzen.“

 

Wann gibts das Rostock-Brot?

Einen kurzweiligen und launigen Einblick in sein neues Amt als Oberbürgermeister von Rostock gab Claus Ruhe Madsen (Foto), der gerade erst seit einem Monat im Amt ist. Weniger Papier, mehr digitale Dokumente. Weniger „das haben wir schon immer so gemacht“ und mehr arbeiten mit Strategie und Plan. Das will er nicht nur in Rostock durchsetzen, sondern dazu ermunterte er auch die Delegierten: „Ich kann heute meine Frau im Internet finden, aber in Rostock kann ich nicht mal eine Parkplakette online beantragen. Wir brauchen mehr digitale Kompetenz.“ Und eine ganz besondere Bitte hatte er auch noch parat: „Wenn es Ihnen in Rostock gefallen hat – vielleicht nennen Sie ja mal ein Brot nach unserer Stadt.“

 

Bundespräsident fordert mehr Selbstbewusstsein

Nach dem erfrischenden Grußwort des Oberbürgermeisters legte der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck (Foto) spontan das Manuskript für seinen Vortrag beiseite und formulierte frei, mit klaren Sätzen und witzigen Randbemerkungen seine Botschaften: „Ich freue mich auch schon auf den Brotkorb, den Herr Madsen gerade bekommen hat, denn ich bin heute noch nicht zum Einkaufen gekommen“, hatte er die Lacher auf seiner Seite und schob nicht nur pflichtschuldig, sondern überzeugend nach, dass er Brot liebe.

Dann legte er mit mutmachenden Worten los. Gauck sprach von persönlicher Freiheit, die auch Verantwortung erfordere. Von mehr Selbstbewusstsein, die dieses „freiheitliche, wirtschaftlich gesunde Land“ brauche. Die Bürger sollten sich 30 Jahre nach dem Fall der Mauer mehr über das Gelungene freuen, als nur über das zu sprechen, was nicht funktioniere. „Wir brauchen Menschen, die Freude daran haben, etwas zu bewegen. Wir brauchen Menschen, die sich als aktive Bürger einbringen und keine Angst vor neuen Horizonten haben.“

 

Landesinnungsmeister nutzt seine guten Kontakte

Die Jahresversammlung fand dieses Jahr in Rostock-Warnemünde auf Einladung des Landesinnungsverbands des Bäcker- und Konditorenhandwerks Mecklenburg-Vorpommern statt. Landesinnungsmeister Matthias Grenzer hatte seine guten Kontakte genutzt, um nicht nur den Bundespräsidenten a. D. und den neuen Oberbürgermeister als Redner zu gewinnen, sondern auch die Begrüßungsaktion mit der Scandline Fähre (Foto) zu organisieren. Sein Entgegenkommen dafür: Die nächste Brotprüfung findet wieder an Bord des Schiffes statt. Dann vielleicht sogar mit ein paar Kollegen aus Dänemark.

 

Der neu gewählte Vorstand (von links): Wolfgang Schäfer, Jürgen Hinkelmann, Maren Andresen, Michael Wippler und Karl-Heinz Hoffmann. Rechts Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider. Foto: Töpfer