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Interpol sucht Kaffeebetrüger

Bei der von Europol und Interpol koordinierten Operation Opson VIII haben sich dreizehn europäische Staaten zusammengetan, um falsch deklarierten Kaffee aufzuspüren. Foto: Deutscher Kaffeeverband / Bente Stachowske

 

Tauschen Röstereien hochwertige Arabica-Kaffeebohnen durch günstigere Robustabohnen aus? Diesem Verdacht geht die weltweite Operation Opson VIII nach, mit der Europol und Interpol seit dem Jahr 2011 koordiniert gegen Food Fraud (Lebensmittelkriminalität) vorgehen. Über 1,5 Tonnen Kaffee ist untersucht wurden. In Deutschland, Portugal und der Schweiz konnten neun Betrugsfälle aufgedeckt werden, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) jetzt mitteilte, das die Aktion koordinierte. Von der Lebensmittelüberwachung konnte in drei Fällen, das sind etwa zwei Prozent der untersuchten Proben, eine Irreführung festgestellt werden. Dabei reichten die ermittelten Robusta-Gehalte von sieben bis 100 Prozent.

Kaffeeverband spricht von Einzelfällen

Der Deutsche Kaffeeverband begrüßt laut einer Mitteilung die Aktion. Die irreführenden Deklarationen seien aber „offenkundig Einzelfälle“: „Die deutsche Kaffeebranche hat ein ureigenes Interesse daran, dass Kaffeeverpackungen, auf denen „100% Arabica“ draufsteht, auch tatsächlich diesen Inhalt haben“, heißt es in dem Statement. Irreführende Deklarationen schadeten dem Ansehen der gesamten Kaffeebranche und gefährdeten das langjährig aufgebaute Vertrauen in „100% Arabica“-Qualität. „Eine vorsätzliche Beimischung von Robusta in einer Arabica-Packung durch einen Röster wäre für diesen Röster reiner Selbstmord“, so Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer Deutscher Kaffeeverband.

Die Arabicapflanze (Hochlandkaffee) ist im Anbau anspruchsvoller als die widerstandsfähigere Robustapflanze. Auch die Aufbereitung des Rohkaffees unterscheide sich, teilte das Bundesamt mit. Arabicabohnen erzielen daher höhere Preise als Robustabohnen. Sind die Bohnen optisch noch zu unterscheiden, wird eine genaue Bestimmung schwierig, sobald der Rohkaffee geröstet und gemahlen wurde.

Erster Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben

In allen drei Fällen erfolgte der Eintrag in der Rösterei. Hinweise auf eine Beteiligung weiterer Lebensmittelunternehmer oder auf verfälschte Rohware gebe es nicht, so das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit. Die Ermittlungen der Lebensmittelüberwachung dauern teilweise noch an. Ein Fall wurde bereits an die Staatsanwaltschaft übergeben. Auch in der Schweiz und in Portugal wurden Fälle von Verfälschungen aufgedeckt. In sechs Proben wurden Arabica- durch Robustabohnen ausgetauscht.

Ermittlungen auch bei Bio-Lebensmittel

Neben der Schwerpunktaktion zu Kaffee, die vom BVL koordiniert wurde, gab es erstmals eine Schwerpunktaktion zur Bekämpfung des Betrugs bei Bio-Lebensmitteln, an der sich 16 europäische Staaten beteiligt haben. Dabei wurden mehrere Fälle aufgedeckt, bei denen konventionelle Erzeugnisse als Bio-Erzeugnisse deklariert wurden.