Top-News

Tchibo installiert

Mit dem überdimensional großen Schriftzug „Mach die Welt ein bisschen Becher“ macht der Kaffeeröster Tchibo in dieser Woche in Hamburg auf die Umweltthematik der Einweg-Becher aufmerksam. An einer Fassade in der Innenstadt wurde dafür eine Installation aus 1.000 Bechern angebracht, die durch ein Magnetfeld getragen wird und zwei Wochen bleibt. Parallel verschenkt Tchibo rund 2.000 Mehrweg-Becher in den Einkaufspassagen und gibt Rabatte auf mitgebrachte Becher.

„Mit der Installation möchten wir nicht nur unsere Kunden, sondern auch die breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und zur Ressourcenschonung aufrufen“, sagt Stefan Dierks, Manager Unternehmensverantwortung bei Tchibo. „Unser Ziel ist es, die Einweg-Becher so weit wie möglich aus den Filialen zu verbannen.“ Jeder Kauf sei eine Entscheidung. Mit der Entscheidung Mehrweg könne jeder Kaffeetrinker seinen Teil beitragen und „zu einem Weltverbecherer werden“.

Die Stadt Hamburg stellte im März 2017 ein Mehrwegsystem mit Pfand vor, bei dem die Verbraucher ihre benutzten Kaffeebecher bei allen teilnehmenden Anbietern abgeben kann – egal, wo gekauft wurde. Wenn alles klappt, soll das Projekt nächstes Jahr an den Start gehen. Eine ähnliche Initiative vom solidarischen Kaffeehandel El Rojito läuft bereits seit knapp einem Jahr unter dem Namen „Refill it!“, allerdings bislang nur mit wenigen teilnehmenden Partnerunternehmen.

Auch auf der Südback ist Nachhaltigkeit ein Leitthema

Viele Bäckereien im ganzen Bundesgebiet gehen angesichts der Umweltbelastung der Einwegbecher in die Offensive: Sie bieten ihren Kunden für den Coffee to Go mehrfach nutzbare Becher aus lange haltbaren Materialien an. Rechtlich ist das Befüllen eines mitgebrachten Kundenbechers mit Kaffee für unterwegs kein Problem. Gesetze oder Verordnungen stehen dem prinzipiell nicht entgegen. Allerdings betonen die Kontrollbehörden, dass die betriebliche Hygienebestimmungen einzuhalten seinen – und dass das auch kontrolliert werde.

„Der frische Kaffee gehört mittlerweile zum Bäcker wie das frische Brot. Das ist gut fürs Geschäft, aber Stress für die Umwelt“, stellt auch Maren Andresen fest. Die Bäckermeisterin ist Präsidiumsmitglied des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV) und verantwortet als Vorsitzende die Aktionen der ZV-eigenen Werbegemeinschaft. Nachdem die alarmierenden Einwegmüll-Zahlen bekannt wurden, arbeitete der ZV mit Hochdruck daran, einen Mehrwegbecher für die deutschen Innungsbäcker zu kreieren. Andresen: „Nachhaltigkeit gehört zu unserem Handwerk. Unser Mehrwegbecher entlastet die Umwelt!“

Auch die Zulieferbranchen der Bäcker und Konditoren zeigen in Stuttgart ausgereifte Lösungen für Mehrweg-Bechersysteme. Tobias Köckert, Geschäftsführer von Mahlwerck, will als Südback-Aussteller Bäcker überzeugen, „auf nachhaltige und geschmackvoll gestylte to-Go-Becher zu setzen.“ Traditionell trinke man guten Kaffee aus eine Porzellantasse.“ Porzellan punktet zudem mit langer Lebensdauer. Außerdem hat Köckert bei den Coffee to Go-Kunden eine interessante Beobachtung gemacht: „ To-Go-Becher sind ein sichtbares Statement geworden. Gut, wenn Genuss und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden können, wie beim To-Go-Porzellanbecher.“ Nachhaltigkeit können Bäcker und Konditoren ebenfalls auf anderem Gebiet beweisen. Um den Kunststoff-Müllberg generell zu verkleinern, lohnt der Ersatz von Plastiktüten durch Baumwoll-Mehrwegtaschen oder Papiertüten, die FSC-zertifiziert sind. Auch in dieser Hinsicht nimmt die Sensibilität der Kunden zu und erhält der Bäcker Image-Pluspunkte.