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Skandal weitet sich aus

Die Liste der Identifikationscodes der betroffenen Eierchargen ist lang. Inzwischen sind in zwölf Bundesländern verseuchte Eier aufgetaucht. Der Name des Schädlingsbekämpfungsmittels, das für Tiere in der Lebensmittelerzeugung verboten ist, ist in aller Munde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Landwirte wegen des bewussten Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetzes. Grund zu gesundheitlicher Panik bestehe nicht, versichern alle Experten. Fassungslosigkeit herrscht darüber, dass Deutschland offensichtlich erst zwei Monate nach Bekanntwerden des Skandals informiert wurde.

Keine Panik, aber dennoch Grund zur Sorge

Auslöser des neuerlichen Skandals soll ein Chemikalienhändler aus dem belgischen Weelde sein, wie der „Spiegel“ berichtet, der ein marktübliches Desinfektionsmittel mit dem Insektizid Fipronil gepanscht haben soll.

Die Experten geben vorerst Entwarnung. Um den Grenzwert von Fipronil zu überschreiten, müsse ein Erwachsener innerhalb 24 Stunden sieben Eier aus der höchstbelasteten Charge verzehren, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Dennoch hat das Kontaktgift einige hochproblematische Eigenschaften, wie die „Welt“ erläutert, die diesen Eierskandal noch erheblich ausweiten könnten. Fipronil zerfalle nicht bei hohen Temperaturen. Das bedeutet, das Gift kann in allen Lebensmitteln auftauchen, in denen Eier verarbeitet werden, genauso wie in Geflügelfleisch. Damit wäre der Eier-Alarm nur der Auftakt für weitere Lebensmittelwarnungen. Hinzu kommt, dass der Stoff vom menschlichen Körper nicht ausgeschieden, sondern eingelagert wird. Bislang ist noch nicht klar, wie lange in Deutschland schon Fipronil verseuchte Eier im Umlauf sind. Einiges spricht für einen wesentlich längeren Zeitraum.

Reaktionen von Zentralverband und Lebensmittelhändlern

Große Discounter und Lebensmitteleinzelhändler haben belastete Eierchargen aus dem Handel genommen. Aldi hat als bisher einziger den Verkauf von Eiern komplett eingestellt. Rein vorsorglich, wie es aus dem Unternehmen heißt. Das Umweltministerium von Nordrhein-Westfalen empfiehlt Verbrauchern, belastete Eier dem Handel zurückzugeben oder mit dem Restmüll zu entsorgen.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat seine Landesinnungsverbände und Mitgliedsunternehmen darauf hingewiesen, dass mit Fipronil belastete Eier aus bestimmten Chargen und alle Erzeugnisse daraus weder abgegeben werden noch in der Produktion verwendet werden dürfen. Die Waren seien gegebenenfalls aus dem Verkauf zu nehmen, separat abzustellen und eindeutig als „gesperrte Ware“ zu deklarieren. Der ZV kritisierte die Verunsicherung des Verbrauchers durch die ersten Meldungen wie die „Allgemeine Bäcker Zeitung“ meldet.

Einschätzungen von Politik und Umweltverbänden

Laut Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauck (CDU) hätten viele Erzeuger in den zurückliegenden Monaten weggeschaut, obwohl sie es besser hätten wissen müssen. „Für ein rein pflanzliches Mittel zur Schädlingsbekämpfung war `Dega 16´offensichtlich sehr wirkungsvoll“, sagt der Politiker gegenüber „Welt“ und „N24“.

Für die Umweltverbände Nabu und BUND ist dieser neue Skandal keine Überraschung und nur ein Symptom für viel tiefgreifendere Missstände. „Dass uns ein neuer Skandal ereilt, kommt nicht überraschend“, sagt Nabu-Chef Leif Miller. Das derzeitige System der Agrarförderung belohne Masse statt Klasse. Da sei die Versuchung der Erzeuger zu illegalen Mittel zu greifen groß. Der BUND weist nachdrücklich darauf hin, dass bereits kleinste Mengen von Fipronil tödlich für Bienen und andere Nutzinsekten seien. Würde der Stoff endlich verboten, könne auch in der menschlichen Nahrungskette keinen Schaden mehr anrichten.

Der BASF-Konzern, einer der großen Fipronil-Hersteller, klagt derweil gegen ein Verbot vor dem Europäischen Gerichtshof, wie die „Welt“ berichtet.

Aktuelle Meldungen über belastete Eierchargen liefert die Website des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Belastete Chargen aus den Niederlanden meldet das niederländische Ministerium Netherlands Food and Consumer Product Safety Authority (NVWA).

Informationen zu Fipronil und mit Fipronil belasteten Eiern gibt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hier.