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Konditoren in Aufruhr

Ein Ruck ging in diesen Tagen durch die Konditorenbranche. Die Bayerische Landesinnung, die größte der Branche, will aus dem Bundesverband raus. Vizepräsident des Deutschen Konditorenverbandes (DKB) Günter Asemann hat hingeschmissen. Geschäftsführerin Alexandra Melzer und die Verbandsjustiziarin Daniela Sauer haben zu Ende September gekündigt. Träten die Bayern aus, stünde auch eine erneute Verlagerung der Geschäftsstelle an. DKB-Präsident und stellvertretender Obermeister Gerhard Schenk ist dennoch zuversichtlich und zeigt sich kämpferisch. Der Erfolg der bayerischen Strukturreform sei offenkundig, Fusionierungen der richtige Weg, um das Konditorenhandwerk mit seinen rund 3.000 Betrieben – Tendenz leicht steigend – fit für die Zukunft zu machen.

Frage: Wie ist die Ankündigung der Bayerischen Landesinnung einzuordnen?
Gerhard Schenk: Der Beschluss hat ein Gewitter in der Branche ausgelöst. Ich sehe diesen Ruck als Chance. Alle sind aufgeschreckt und können sich jetzt zu Wort melden, um zu sagen was sie wollen.

Frage: Was gibt es zu wollen für den Deutschen Konditoren Bund?
Gerhard Schenk: Die bayerischen Konditoren haben vorgemacht, dass die Fusionierung zu größeren Einheiten und eine zentrale Steuerung viele Vorteile haben. Das denkt der Süden fortschrittlicher als der Norden. Die Schlagkraft einer starken Landesinnung ist viel größer als der vielen kleineren Innungen wie sie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen derzeit noch favorisiert werden.

Frage: Wie wollen Sie den Konditorenbund fit für die Zukunft machen?
Gerhard Schenk: Wir wollen in Zukunft präsenter in der Öffentlichkeit werden und unsere Außendarstellung verbessern. Wir sind noch ein interessantes Handwerk. Mit leicht steigenden Betriebszahlen (2016: +17 Betriebe) und ohne Schwierigkeiten Azubis zu finden. Anstatt wie bisher ausschließlich auf unser Verbandsorgan „KoCa“ zu setzen, werden wir zukünftig wie die Bäcker mit verschiedenen Zeitschriften zusammenarbeiten.

Frage: Gehört zu diesem Konzept auch der Zusammenschluss mit dem Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks?
Gerhard Schenk: Nein. Das wollen unsere Betriebe derzeit definitiv nicht. Das mag in zehn bis 20 Jahren anders aussehen. Vielleicht schließen wir uns dann auch zu noch größeren Einheiten aller lebensmittelverarbeitenden Betriebe zusammen – mit Fleischereien, Mühlen und Brauereien? Darüberhinaus sind wir zufrieden mit der sehr guten Zusammenarbeit mit dem ZV. Da ist ein kurzer Draht mit dem wir alle wichtigen Themen besprechen. Ein Zusammenschluss ist auch deshalb zur Zeit nicht erstrebenswert, weil sich die Berufsbilder Konditor und Bäcker sehr stark unterscheiden.

Frage: Das letzte Wort zum Austritt der Bayern aus dem Deutschen Konditorenbund ist noch nicht gesprochen?
Gerhard Schenk: Ich habe angekündigt, dass ich als stellvertretender Obermeister zurücktrete, wenn der Beschluss zum Austritt der Bayerischen Konditoreninnung zum 31.12.2017 in Kraft tritt. Bis dahin werde ich die Zeit nutzen, um zu kämpfen und alle an einen Tisch zu bekommen. Im Grund sind wir uns doch einig. Das ist der eine wichtige Punkt. Der andere ist, dass wir es uns auch leisten können müssen. Aber unterm Strich sind wir alle Konditoren.