So lief der Bäckerprotest in Hannover

So lief der Bäckerprotest in Hannover

Die Protestaktion der Bäcker aus der Region Hannover gegen die existenzgefährdenden Energiepreise wurde von Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland unterstützt. Mehrere Tausend versammelten sich am 14. September 2022 vor dem Rathaus in Hannover, wo niedersächsische Landespolitiker sprachen und den Bäckern Unterstützung zusagten – quer durch alle Parteien. Um an dem Protest teilnehmen zu können, hatten viele Bäckereien schon um 14 Uhr ihre Türen geschlossen.

„Ich bin überwältigt“, freute sich Caterina Künne, Bäckerei Künne, die den Protest vor 14 Tagen angestoßen hatte, als sie von der Bühne schaute. „Wir sind ja teilweise knallharte Konkurrenten, aber das hier wollen wir gemeinsam durchziehen. Es geht um unsere Existenzen und um Arbeitsplätze. Wir wollen auch in 100 Jahren noch backen.“

Axel Oppenborn forderte zum Auftakt der Veranstaltung einen Energiepreisdeckel, damit die Handwerksbäcker überleben können. Die Unterstützung müsse unbürokratisch erfolgen. „Wir aus Hannover kämpfen für das gesamte Bäckerhandwerk – notfalls auch in Berlin“, sagte er unter dem Beifall der Teilnehmer. Und: „Wir erfahren eine hohe Solidarität aus der Bevölkerung.“

Nach der einstündigen Kundgebung fuhr ein Autokorso aus rund 250 Lieferfahrzeugen durch die Innenstadt von Hannover.

Caterina Künne, Bäckerei Künne,hatte den Protest vor 14 Tagen angestoßen. „Das heute ist erst der Auftakt. Die Antworten der befriedigen mich noch nicht.“ Fotos: Töpfer
Axel Oppenborn forderte einen Energiepreisdeckel, damit die Handwerksbäcker überleben können. Die Unterstützung müsse unbürokratisch erfolgen. „Wir aus Hannover kämpfen für das gesamte Bäckerhandwerk – notfalls auch in Berlin.“
Große Medienresonanz: Kameras aller Sender nahmen die Protestplakate in den Fokus.
Protest und Gespräche: Mit Plakaten machten die Protestierer auf die Probleme aufmerksam.
Professionell vorbereitet: In 14 Tagen stellten die Bäcker ihre Protestaktion auf die Beine.
Gefragter Interviewgast: Kai Oppenborn von der Calenberger Backstube. „Es geht nicht um 1 oder 2 Prozent weniger Rendite. Es geht ums Überleben der Betriebe.“
Protest vor dem Rathaus: Kolleginnen und Kollegen aus vielen Teilen Deutschlands kamen nach Hannover.
Kai Oppenborn begrüßte die Kolleginnen und Kollegen und die Landespolitiker. „Die ganze Bäckerwelt schaut nach Hannover.“
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): „Wir stehen in dieser Krise an der Seite des Bäckerhandwerks. In Berlin ist vollkommen klar, das wir das Bäckerhandwerk retten müssen. Die Preise müssen auf ein Maß zurückgeführt werden, das die Betriebe funktionieren können. Die unverschämt hohen gewinne bei Energieerzeugenrn müssen abgeschöpft werden.“
Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU): „Seit Juli habe ich Minister Habeck darauf hingewiesen, dass das Handwerk unter die Räder kommt. Passiert ist nichts. Ich befürchte eine Isolvenzwelle, der 20 % der Bäckereien zum Opfer fallen. Wir können die 25 Milliarden Rücklage aus der EEG-Umlage nehmen, um die Betrieb durch die Krise zu führen. Wir brauchen einen Energiepreisdeckel, auch wenn wir nicht alle Härten abfedern können.“
Stefan Birkner, FDP-Fraktionsvorsitzender im Niedersächsischen Landtag: „Wir brauchen einen Rettungsschirm für Bäckereien. Und zwar kurzfristig.“
Julia Willi Hamburg, Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Niedersächsischen Landtag wurde mit einem Pfeif- und Buhkonzert empfangen. „Laden Sie mich in Ihre Bäckereien ein, dann können wir besser miteinander reden.“ Sie verwies auf das heute von Bundes-Wirtschaftsminister Robert Habeck vorgelegte Hilfspaket: „Die Hilfe wird es rückwirkend zum 1. September geben.“
Protestzug durch Hannover: Die Bäcker auf dem Weg zu ihren Autos. Anschließend ging’s im Konvoi durch die City.