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Zentralverband 2030

Wollen den Zentralverband modernisieren und effektivieren: Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider und Präsident Michael Wippler. Foto: Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks

 

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat den Rahmen für eine Strukturreform beschlossen. Das Ziel soll eine starke und zukunftsfähige Standesvertretung für die Mitglieder sein. Auf der Grundlage der Branchenumfrage und zahlreichen Gesprächen diverser Gremien seien nun die ersten richtungweisenden Beschlüsse getroffen worden. „Wir hatten uns das Ziel gesetzt, das Verbandswesen zu modernisieren, zu effektivieren und den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen“, erklärt Präsident Michael Wippler das Vorhaben. „Das Leitmotiv für unsere Führung war von Anfang an: jeden Tag fünf Prozent Revolution“, ergänzt Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider.  „Mit den ausgearbeiteten Handlungsfeldern und Beschlüssen sind wir einen großen Schritt Richtung ‚Zentralverband 2030‘ gegangen – nun liegt es an allen Beteiligten, zur Tat zu schreiten und diese in der Praxis umzusetzen.“

Die Bäckerbranche unterliege seit Jahrzehnten einem kontinuierlichen Wandel mit neuen Chancen, aber auch vielen Herausforderungen, so der Verband in seiner Erklärung. Diese spüre das Handwerk in seinen Betrieben und der Zentralverband gehe diese politisch an. Auf Grund der veränderten Bedürfnisse der Branche und Anforderungen an die Standesorganisation arbeite der Verband an einer zukunftsgerichteten Strukturreform. Für die Reform bildete der Zentralverband eine Projektgruppe mit Teilnehmern aus ganz Deutschland. Die Beschlüsse werden nun von den einzelnen Einheiten im Detail ausgearbeitet, um Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Beschlüsse zu schaffen. Zahlreiche Maßnahmen können bereits jetzt angewandt und zeitnah in die Praxis überführt werden, so der Verband. Derzeit  erarbeite man einen Newsletter für Mitgliedsbetriebe und entwickele ein Konzept für einen neuen, zeitgemäßen Internetauftritt.

 

Strukturreform mit drei Bausteinen 

Der Strategie liege eine umfangreiche Sammlung an Informationen zugrunde, so der Verband, aus denen sich konkrete und richtungweisende Maßnahmen ableiten ließen. Dabei setze man vorrangig auf drei große Bausteine aus der qualitativen und quantitativen Marktforschung:

  1. Das Sammeln von wichtigen Erkenntnissen und Ergebnissen aus Versammlungen und Tagungen.
  2. Eine bundesweite Branchenumfrage für Innungsbetriebe und Nicht-Mitglieder
  3. Der direkte Dialog in Form von Diskussionsrunden, um über Verbandsstrukturen hinweg in einem persönlichen Austausch aktuelle Herausforderungen zu besprechen.

An der im Jahr 2018 auf Initiative des Zentralverbands organisierten Branchenumfrage beteiligten sich über 1.200 Betriebe, davon 269 Nicht-Mitglieder. Abgefragt wurden dabei die Zufriedenheit und die Wichtigkeit der angebotenen Leistungen der Innungen, Landesinnungsverbände und des Zentralverbandes, wie Informationen, Veranstaltungen zu Fachthemen, Beratung, Interessenvertretung und Marketingservices. Als besonders wichtig und ausbaufähig für Landes- und Bundesverband wurden von den Befragten die politische Interessenvertretung, die Tarifpolitik und die Pressearbeit bewertet. Bei den Innungen dagegen wurden vor allem deren Aufgabe bei der Abnahme der Gesellenprüfung, Betreuung der Lehrlingsausbildung sowie als direkter Ansprechpartner bei Problemen als essentiell erachtet, doch auch der Wunsch nach individueller Öffentlichkeitsarbeit für die Mitgliedsbetriebe wurde hier stark geäußert. Viele Betriebe wünschen sich mehr Unterstützung durch Informationen und Beratung, vor allem im rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Bereich.

 

Die Handlungsfelder

Mit den Ergebnissen der Umfrage als Grundlage entwickelte eine Projektgruppe Lösungsansätze und ein Thesenpapier, das dem Präsidium des Zentralverbandes für die Erarbeitung von Beschlussempfehlungen vorlag. Um vor allem mit kritischen Stimmen in den Austausch zu treten, lud der Zentralverband im April sowohl Innungsbetriebe als auch Nicht-Mitglieder zu einer großen Diskussionsrunde nach Berlin ein, bei der sich die  Teilnehmer austauschten und neue Denkansätze lieferten. Es ergaben sich danach sieben Handlungsfelder: Struktur, Leistungsangebot, Kommunikation, Interessenvertretung, Tarifverträge, Finanzen und Identifikation. „Für diese Handlungsfelder galt es nun, konkrete Vorschläge auszuarbeiten“, so Wippler über den Prozess. Bereits auf der diesjährigen Vorstandssitzung im Mai wurden Lösungsansätze präsentiert, zu denen beschlossen wurde:

– Organisationsstruktur: Ziel sind leistungsstarke, schlagkräftige Einheiten auf allen Ebenen. So empfiehlt der Zentralverband eine Mindestgröße von 30 Mitgliedern in einer Innung. Die Dreistufigkeit Innung – Landesverband – Zentralverband bleibt weiterhin bestehen, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu bleiben.

– Mitgliedschaft: Zukünftig soll Betrieben eine Direktmitgliedschaft beim Landesinnungsverband ermöglicht werden, um vor allem größeren Mitgliedern zusätzliches Identifikationspotential zu ermöglichen.

– Tarifverträge und –bindung: Ziel sind attraktive Tarifverträge mit möglichst hoher Akzeptanz, um „weiße Flecken“ auf der Tarifkarte zu schließen. Der Zentralverband bekennt sich dabei explizit zum Flächentarifvertrag und weist auf dessen Vorteile hin. Um aber weiterhin für das ganze Bäckerhandwerk sprechen zu können, Mitglieder zu halten und neue hinzuzugewinnen, sollen gleichzeitig Strukturen in den Ländern geöffnet und eine subsidiäre Mitgliedschaft auch ohne Tarifbindung ermöglicht werden.

– Aufgabenverteilung: Jede Ebene hat klare Verantwortungsbereiche, um effizient arbeiten zu können. Die Aufgaben der Innungen sind in der Handwerksordnung geregelt. Der Landesinnungsverband ist zuständig für Lobbyarbeit auf Landesebene sowie Rechts- und Betriebsberatung im Einzelfall. Lobbyarbeit auf Bundes- und Europaebene sowie Themen von bundesweiter Bedeutung fallen in den Verantwortungsbereich des Zentralverbandes, ebenso Musterprozesse sowie behördliche Verfahren von grundsätzlicher Bedeutung. Darüber hinaus soll die Aufgabenverteilung zwischen Haupt- und Ehrenamt auf allen Ebenen und die Notwendigkeit von Gremiensitzungen überprüft werden. Dies ist die Basis für moderne und zügig arbeitende Geschäftsstellen mit schlanken, effizienten und sinnvollen Strukturen.

– Ehrenamt: Ziel ist grundsätzlich ein repräsentatives Ehrenamt, das die heutige Vielfalt der Betriebe widerspiegelt und ein hohes Identifikationspotential für die Gesamtbranche aufweist.

– Leistungsangebot: Angebotene Dienstleistungen sollen auf den Prüfstand gestellt und gegebenenfalls ausgebaut werden, vor allem im Bereich Rechts- und Betriebsberatung auf Landesebene. So kann dem gewachsenen Bedarf gerecht und zielgruppenspezifisch ein Mehrwert für Mitglieder geschaffen werden.

– Kommunikation: Um die bereits angebotenen Leistungen und Erfolge der Verbandsorganisationen  und die Einheit der Standesvertretung darzustellen, wird ein einheitlicher Internetauftritt angestrebt. Darüber hinaus findet zukünftig eine Direktkommunikation mit den Betrieben auf den jeweiligen Ebenen statt, um Informationen schnell zwischen den Betrieben und der Organisation auszutauschen. Hierzu wird die Kommunikation zukünftig vorrangig in elektronischer Form erfolgen.

– Finanzierung: Um geordnete, zukunftsfähige Strukturen zu erleichtern, entwickelt der Zentralverband in Abstimmung mit den Landesinnungsverbänden eine Musterbeitragsordnung für die Mitgliedsbeiträge der Betriebe. Auf Grund des gesteigerten Bedarfs an Beratung sollen zukünftig individuelle Beratungsleistungen – gegebenenfalls kostenpflichtig –  angeboten werden.

– Aus- und Fortbildung: Gute Aus- und Fortbildungen sind unabdingbar für ein erfolgreiches Bäckerhandwerk. Daher wird dieser Bereich auch zukünftig stark im Fokus stehen und die Qualität der Angebote in den Verbänden und Fachschulen auf höchstem Niveau gehalten.