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Streit in der Schweiz

Hohe Qualität, bester Service und Kundennähe: Das sind Kriterien mit denen Handwerksbäckereien Punkten können und sollten.  Foto: Fotolia

 

Das Bäckereisterben sei selbstverschuldet, weil sich kleine und mittlere Betriebe zu wenig positionieren, sagte der Schweizer Bäckereiunternehmer Fredy Hiestand gegenüber dem Medienportal „Blick“. Darum hätten sie keine Daseinsberechtigung. Diese Äußerungen lösten eine Welle der Empörung in der Schweizer Backbranche aus. “Wir teilen die erwähnte pauschale Aussage nicht“, kommentierte Sarah Steller, Marketingchefin vom Schweizer Bäcker-Confiseur-Verband (SBC). Schuld sei vielmehr „die riesige Konkurrenz durch die Großverteiler, die dank ihrer hochautomatischen Bäckereien mit den Preisen unten rein können“, ergänzte Bäcker Pietro Cappeli aus St. Gallen. Marketingchefin Stettler bestätigte allerdings das hart umkämpfte Marktumfeld.

Der Marktanteil der kleineren Betriebe gegenüber den Großbäckereien und Discountern sei die letzten zehn Jahre von 50 auf knapp 30 Prozent gesunken. Lebensmittelhändler Coop habe vor zwei Jahren in Schafisheim die nach eigenen Angaben größte Bäckerei der Schweiz eröffnet. Jährlich würden dort rund 60.000 Tonnen Brot und andere Backwaren hergestellt. Die Jowa-Bäckereien von Lebensmitteleinzelhändler Migros produzierten sogar 155.000 Tonnen Backwaren pro Jahr.

Es gibt aber auch andere Stimmen. So pflichtet Bäcker Roland Taverna, seit 35 Jahren Bäcker und Chef von 13 Mitarbeitern, Hiestand teilweise bei. „Ich habe einen Aldi, einen Lidl und einen Migros um die Ecke und bin trotzdem noch da. Sein Konzept: „Guter Standort, frühere Öffnungszeiten und Mitarbeiter, die den Großteil der Kunden mit Namen kennen.“ Und die Qualität sei besser als bei der Industriekonkurrenz. Sein Fazit, was sicher nicht nur für den Schweizer Backmarkt gilt: „Wir Kleinen müssen uns unsere Nischen suchen.“