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Krimi in Hannover

Seit Freitag ist das Geschäft, das die Mitarbeiter der Hannoveraner Bäckerei Doppelkorn in Eigenregie weitergeführt hatten, nachdem ihr Geschäftsführer Manuel Pietrusky untergetaucht war und die zwölf Filialen geschlossen wurden, nun auch geschlossen, wie der NDR berichtet. 120 Mitarbeiter samt zehn Azubis hängen in der Luft. Keiner weiß, wie es weitergeht.

Obwohl der reguläre Betrieb der Bäckerei seit Ende Juli lahm liegt, ist sie offiziell nicht insolvent. Aus diesem Grund wollen sich die Mitarbeiter absichern, sehen ihre Verträge als weiterhin gültig an und führten den Betrieb mit einer Filiale auf eigene Kosten weiter. Doch vergangene Woche spitzte sich laut Informationen des NDR die Finanzlage zu. Zudem war in der Produktionsstätte der Strom abgestellt worden. Zum Glück konnten sie kurzfristig für eine Nacht in einer andere Backstube umziehen. Die Unterstützung der Kunden sei riesig, so ein Mitarbeiter gegenüber dem NDR. Sie spendeten für den Weiterbetreib, brachten Blumen vorbei und baten Anwaltshilfe an.

Der Anfang vom Ende
Alles begann im April 2017, als der langjährige Inhaber und Bio-Pionier Manfred Dust, den Betrieb an den Jungunternehmer Pietrusky verkaufte. Laut Aussage des Betriebsrates brachte er viele neue Leute mit, richtete neue Abteilungen an, begann Streit. Der Umsatz ging runter. Im Juli ließ Pietrusky dann plötzlich nichts mehr von sich hören, bis die Mitarbeiter die Einladung zu einer Betriebsversammlung erreichte. Dort wurde ihnen mitgeteilt, der Betrieb sei erneut verkauft und zwar an einen englischen Investor. Als neuer Geschäftsführer stellte sich Gerhard Haidacher vor, der frühere österreichische Bob-Olympiasieger, wie der NDR berichtet. Haidachers Botschaft an die Belegschaft war: Nach einer Umstrukturierung erfolge die Wiedereröffnung unter neuem Namen.

Staatsanwaltschaft ermittelt
Von der sofortigen Schließung der Filialen sowie ihrer Freistellung erfuhren die Mitarbeiter per Rundmail am folgenden Tag. Seltsamerweise wurde die Nachricht nicht von der neuen Geschäftsführung verschickt, sondern von Pietruskys Assistentin. Viele Mitarbeiter waren skeptisch und erschienen vorsichtshalber weiter zur Arbeit. Kurz darauf war auch Haidacher nicht mehr zu erreichen. Im Handelsregister ist nach NDR-Angaben nach wie vor Manuel Pietrusky als Besitzer eingetragen. Handelte er bewusst? War er überfordert? Die Gerüchteküche brodelt und inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Hannover ein Ermittlungsverfahren wegen Insolvenzverschleppung eingeleitet.

Die Belegschaft der Bäckerei indessen hofft nun auf einen baldigen Insolvenzantrag – vom Finanzamt, der Sozialkasse oder einem Gläubiger. Dann könnten sie Insolvenzgeld beziehen und ein Insolvenzverwalter könnte vom Unternehmen retten, was zu retten ist. „Es wäre so schade, wenn das alles hier kaputtgeht“, zitiert der NDR ein Betriebsratsmitglied.

Foto: Für wenige Tage lief der Betrieb in einer Doppelkorn-Filiale in Hannover wieder. Doch seit Freitag ist Schluss.
Quelle: NDR