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Deutsche Brotkunst in Tokio

Vor 110 Mitgliedern des Vereins „Versammlung Weiterbildung für deutsche Brote und Kuchen“ zeigten der Weinheimer Fachlehrer Robert Schorp und Direktor Bernd Kütscher deutsche Brotkunst. Gemeinsam wurden verschiedene typisch deutsche Brotsorten wie auch Christstollen und einige Blechkuchen gebacken. Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv. Der Besuch hat zudem dazu beigetragen, die deutsch-japanische Freundschaft wie auch die Geschäftsbeziehung zwischen den beteiligten Schulen weiter zu vertiefen. Die beiden Weinheimer Bäckermeister konnten einige Impulse aus Fernost mit nach Deutschland nehmen.

Tokio ist mit zahlreichen angrenzenden Städten (darunter auch Yokohama) nahtlos zusammengewachsen und bildet mit rund 38 Millionen Einwohnern die größte Metropolregion der Welt. Die Bundesakademie Weinheim unterhält seit vielen Jahren Partnerschaften zum NKS Japan Cake and Confection College sowie auch zum Japan Institute of Baking JIB in Tokio.

Das traditionelle Getreide Japans ist Reis. Das Wort für Reis wird auch für Essen im Allgemeinen benutzt, woran man die Bedeutung dieses Grundnahrungsmittels erkennt. Das Brot kam im 16. Jahrhundert mit jesuitischen Missionaren aus Portugal nach Japan. Das japanische Wort für Brot („Pan“) ist ein Überbleibsel aus der portugiesischen Sprache. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen Backwaren aus Nordamerika wie Toastbrot hinzu, später auch französische. Inzwischen wird in Japan mehr Geld für Brot ausgegeben als für Reis. Maßgebliche Backwaren im Markt sind die japanischen Melonpan, Cremepan, Anpan und Kashipan, hinzu kommen typisch französische Backwaren wie Baguette und Croissant. Wie man hört, soll die japanische Regierung mit dem steigenden Konsum von Backwaren nicht sehr glücklich sein, weil fast der gesamte Weizen importiert werden muss.

Typisch deutsche Backwaren haben in Japan nur eine sehr geringe Marktbedeutung. Um das zu verändern und das Image zu verbessern, hat sich in Tokio vor zehn Jahren der Verein „Versammlung Weiterbildung für deutsche Brote und Kuchen“ gegründet. Dessen Vorsitzender Hirokazu Kurata ist häufiger Seminargast in Weinheim und ist mit der 1962 gegründeten Familienbäckerei „Daisy“ einer der erfolgreichsten Handwerksbäcker im ansonsten eher industriell dominierten Backwarenmarkt Japans. Während das Geschäft selbst einen französischen Schwerpunkt hat, befindet sich mit der Bäckerei „Brotheim“ von Katsuhiko Akashi schon seit 30 Jahren auch eine erfolgreiche, typisch deutsche Bäckerei mit Café in Tokio. Sortiment und Qualität entsprechen einer Bäckerei in Deutschland. Der Preis liegt jedoch deutlich höher. So kostet ein Weizenbrötchen umgerechnet 70 Cent.