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Was bringt die Hygieneampel?

Hygieneexpertin Corinna Sprenger von der Firma InnovaKom in Paderborn sprach beim „Etwas anderen Workshop“ in Bielefeld in ihrem Seminar über die kommende Hygieneampel für die Lebensmittelbranche. back.intern. hat nachgefragt, welche Bedeutung die Hygieneampel im Einzelnen hat und wie man sich am besten darauf vorbereiten sollte. Schließlich müssen Bäcker ihre Kontrollergebnisse dann von außen sichtbar an alle Filialen hängen.

back.intern. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Hygieneampel ein?

Corinna Sprenger: Derzeit ist eine Einführung der Hygieneampel in NRW sehr wahrscheinlich. Entscheidungen anderer Länder sind mir aktuell nicht bekannt, aber ich schätze, dass die Hälfte der Bundesländer ein Ampelsystem einführt.

back.intern. Wo liegen Ihrer Ansicht nach für Bäcker die Vorteile einer solchen Bewertung?

Corinna Sprenger: Die Lebensmittelkontrolle überwacht die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. Mit der Transparenz der Kontrollergebnisse steigt die Motivation für den Unternehmer, der in der Regel auch der lebensmittelrechtlich Verantwortliche ist, sich mit gesetzlichen Anforderungen auseinanderzusetzen und diese vollständige umzusetzen und einzuhalten. Ein negatives Ergebnis zieht durch die Hygieneampel automatisch eine negative Außendarstellung nach sich. Die Kontrollen werden sich vermutlich nicht ändern, sie bestehen ja bereits. Jetzt sollte sich das Unternehmen mit der Vorbereitung und der Abarbeitung von aufgezeigten Mängeln noch stärker auseinandersetzen.

back.intern. Was empfehlen Sie der Backbranche, um sich auf die Hygieneampel vorzubereiten?

Corinna Sprenger: Für Betriebe, die bereits gut aufgestellt sind, ist wohl keine spezielle Vorbereitung notwendig. Alle anderen sollten ihre Kompetenzen im Bereich „Lebensmittelrecht und betriebliche Umsetzung“ verstärken. Für Mitarbeiterschulungen gibt es ein gutes Angebot am Markt. Oder aber man entscheidet sich für eine zusätzliche Fachkraft, die das Mitarbeiterteam ergänzt. Außerdem lässt sich Fachkompetenz auch extern einkaufen.

back.intern. Wie wichtig ist die Schnittstelle zwischen Produktion und Filialen?

Corinna Sprenger: Erfahrungsgemäß ist die Verbindung sehr wichtig. Gibt es bereits eine Fachkraft oder den Aufgabenbereich „Lebensmittelrecht“ im Betrieb, beispielsweise in der Produktion, dann ist es sinnvoll, den Bereich auf die Filialen zu erweitern und die dortigen Leiter und Mitarbeiter zu unterstützen. Auch eine regelmäßige Kontrolle der Filialen erhöht die Sicherheit, die Kontrolle mit einer grünen Bewertung abzuschließen. Diese kann aus dem eigenen Haus stammen, um aber die Betriebsblindheit zu umgehen, kann auch die Arbeit mit externen Kräften sinnvoll sein.

back.intern. Wie schätzen Sie die Lebensmittelkontrolle bezüglich der Hygieneampel ein? Wie leicht kann ein Bäcker ein „Gelb“ oder „Rot“ bekommen?

Corinna Sprenger: Im Endeffekt zeigt eine gelbe oder rote Bewertung eine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit. Die Kontrolleure benötigen Grundlagendokumentation, um sich davon zu überzeugen, dass relevante Punkte „unter Kontrolle sind“. Sind diese relevanten Nachweise im Unternehmen nicht vorhanden, kann vermutlich die Ampel in gelb oder rot umschlagen. Aber eine einzelne nicht erbrachte Unterschrift auf einem Prüfprotokoll sollte nicht dazu führen.

back.intern. Was kann ein Bäcker tun, um eine schlechte Bewertung schnell wieder loszuwerden?

Corinna Sprenger: Das ist eine gute Frage, die ich derzeit nicht beantworten kann. Die kostenpflichtigen Kontrollen in Niedersachsen und NRW führen eventuell dazu, dass der Personalstamm in den Überwachungsämtern aufgestockt wird und damit zusätzliche Nachkontrollen durchgeführt werden können. Aber hier ist noch Regelungs- und Informationsbedarf, um die berechtigten Unsicherheiten der Unternehmen abzumildern.

back.intern. Welche Tipps geben Sie der Branche bezüglich der Kommunikation zum Kunden?

Corinna Sprenger: Sollte es zu einer negativen Bewertung kommen, müssen die Kunden durch die Ampel darüber informiert werden. Meines Erachtens spricht nichts dagegen, das aushängende Kontrollergebnis mit internen Bemerkungen zu kommentieren. Hierzu sollte auch das Personal der betreffenden Filiale über eingeleitete Maßnahmen umfassend Auskunft geben können.

Foto: fotolia karmasens