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Wirbel um das MHD

In einem Interview mit der Funke-Mediengruppe hatte sich Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) Ende März zu Plänen geäußert, die Angaben über das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) in der EU zu modifizieren. Ziel sei eine Halbierung der Nahrungsmittelverschwendung bis 2013. Im Gespräch waren bei dem Interview die Bezeichnungen Herstellungsdatum, Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum. Der Landesinnungsverband für das Bayerische Bäckerhandwerk (LIV) hat sich beim Minister klar gegen eine Abschaffung des MHD eingesetzt.

„Eine Abschaffung würde sowohl Herstellern als auch Händlern von Lebensmitteln erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügen, weil sie die Schnittstelle, an der die Haftung des Herstellers übergeht in die Eigenverantwortung des Verbrauchers, einseitig in Richtung Hersteller verschieben würde“, so die Position des LIV. Verbraucherbildung statt Verbraucherentmündigung sei deshalb das Gebot der Stunde.

Diese Empfehlung wird bestätigt von einer großen Umfrage der Europäischen Kommission. Wie „Zeit online“ dazu berichtet, glauben 24 Prozent der Menschen in Europa, dass Mindesthaltbarkeit bedeute, dass ein Produkt nach diesem Datum gar nicht mehr genießbar, also gesundheitsgefährdend sei. Eine Gesundheitsgefährdung hingegen wird aber mit dem sogenannten Verfallsdatum angegeben. Hier besteht auch in Deutschland große Unsicherheit. 42 Prozent der Deutschen gaben an, dass Produkte nach dem Verfallsdatum noch genießbar seien.

Bereits heute gibt es bestimmte Lebensmittel, auf denen laut EU-Richtlinie kein MHD angegeben sein muss. Das trifft zu auf lange haltbare Produkte wie Salz und Zucker, aber auch für schnell verderbliches Obst und Gemüse, manches Speiseeis und bestimmte Backwaren. Laut Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehören aber genau diese Produkte zu den Lebensmitteln, die hauptsächlich weggeschmissen werden.

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