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Böse Bambusbecher 

Bambuswald – die pure Natur. Durch die Verarbeitung mit Melaminharz können sich in Getränkebechern Schadstoffe lösen und in heiße Getränke übergehen. Foto: fotohunter

 

„Lassen Sie die Finger von Bambusbechern“, heißt es in der August-Ausgabe der Zeitschrift Test. Aus mehr als der Hälfte der getesteten Becher gehen sehr hohe Mengen Schadstoffe ins Getränk über. Die übrigen Becher erwecken fast alle mit falschen Werbeversprechen den Eindruck, ein reines Bambusprodukt zu erwerben oder der Umwelt einen Dienst zu erweisen. 

„Bambusbecher“, „aus Bambusfasern“ oder „dieser Becher wurde aus umweltfreundlichen Bambusfasern hergestellt“. So steht es auf einigen der getesteten Trinkgefäße. Käufer von Bambusbechern bekommen den Eindruck, sie würden ein reines Naturprodukt erwerben. Tatsächlich bestehen die Coffee-to-go-Becher zwar aus zermahlenen Bambusfasern, die Tester fanden aber in allen Bechern auch Melaminharz, einen Kunststoff, der sich aus Formaldehyd und Melamin zusammensetzt. 

Um ein heißes, leicht saures Getränk wie Kaffee zu simulierten, füllten die Tester drei-prozentige Essigsäure in die Bambusbecher und hielten die Flüssigkeit zwei Stunden 70 Grad Celsius warm. Das machten sie pro Becher sieben Mal. Jeweils nach der dritten und siebten Befüllung bestimmten sie den Gehalt von Formaldehyd und Melamin in der Flüssigkeit.

Test im Labor: Die Stiftung Warentest nahm Kaffeebecher aus Bambus unter die Lupe. Foto: Stiftung Warentest

In vier der zwölf Becher fanden sie bereits nach der dritten Befüllung sehr hohe Gehalte von Melamin, in drei weiteren nach der siebten Befüllung. Auch Formaldehyd fanden die Tester in teils hohen Mengen in der Flüssigkeit. Die Analysen zeigen: Nicht nur zu Beginn der Nutzung gehen Schadstoffe über. Nach der siebten Prüfung lagen die Werte teilweise sogar noch höher. Die Schadstoffe verflüchtigen sich also nicht. Sie gelangen auch nach längerer Nutzung noch in die Getränke.

Melamin steht im Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem zu verursachen. Formaldehyd kann Haut, Atemwege oder Augen reizen sowie beim Einatmen Krebs im Nasen-Rachenraum verursachen.

Hier finden Sie den gesamten Test.