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Massive Verschwendung

In Deutschland landen, laut der aktuellen Studie der Umweltorganisation WWF, zu viele Backwaren im Müll (Foto: Fotolia)

 

Backwaren zählen in Deutschland zu den am häufigsten weggeworfenen Lebensmitteln. Das ist ein Ergebnis der neuen Studie des WWF „Unser tägliches Brot“. Laut aktueller Schätzungen betrügen allein die durch Retouren verursachten Backwarenverluste in Deutschland rund 600.000 Tonnen pro Jahr. Größere Betriebe hätten auffalend höhere Quoten als kleine Handwerksbetriebe. Im Jahr 2015 seien etwa 4,5 Millionen Tonnen Backwaren hergestellt worden. Etwa 1,7 Millionen Tonnen wurden als Verluste beklagt: 49 Prozent von Haushalten, 36 Prozent als Retouren aus Bäckereien, 13 Prozent vom Handel und 2 Prozent aus dem Außer-Haus-Verzehr. Dies führe dazu, dass mehrere Tausend Tonnen Backwaren nicht verzehrt werden, sondern im Tierfutter landen, in Biogasanlagen oder in Müllverbrennungsanlagen. Der WWF fordert ein Umdenken bei Händlern, Verbrauchern und Politikern.

Durch den genannten Backwarenverlust würde die Ernte von rund 398.000 Hektar Ackerland verschwendet, so der WWF, einer Ackerfläche, die größer ist als Mallorca. „Es ist schizophren“, kritisiert Jörg-Andreas Krüger, Abteilungsleiter Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland. „“Um Ernteerträge zu maximieren, wird der Anbau intensiviert. Abgesehen von den Pestiziden belastet im Getreideanbau auch die für die hohen Backansprüche übliche Stickstoffdüngung zum Schluss der Wachstumsperiode die Umwelt. Zugleich schmeißen wir säckeweise die aus dem Getreide produzierten Lebensmittel weg.“

Auffällig: In kleinen Handwerksbetrieben sind weitaus weniger Retouren zu beklagen. Positive Spitzenreiter lägen bei gerade einmal einem Prozent. Mittlere bis große Backwarenunternehmen hätten Verluste von bis zu 19 Prozent der produzierten Menge, so der WWF weiter.

Der WWF fordert, eine abgestimmte nationale Strategie mit klar definierten, verbindlichen Zielvorgaben, zu der die Regierung bereits vom Bundestag aufgefordert wurde. „Darüber hinaus brauchen wir ein Umdenken bei den Konsumenten und der Wirtschaft: Angefangen von unseren Erwartungen an Frische und Vielfalt bis zum nächtlichen Ladenschluss über eine Umdenken im Backgewerbe und Lebensmitteleinzelhandel bis hin zu mehr Transparenz bei den Entsorgungsunternehmen oder Futtermittelherstellern“, so Krüger.

Im Zug der Recherchen zu der Studie seien auch einige Best-Practice-Beispiele gefunden worden. So gelinge es einigen Betrieben, hohe Retourquoten durch einfache IT-Lösungen zu senken, indem Produktion und Verkauf aufeinander abgestimmt seien. Allerdings nutzen nur wenige Dutzend Betriebe entsprechende Programme.

Die Kurzfassung der WWF-Studie „Unser täglich Brot“ finden Sie hier zum Nachlesen.