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Mehrweg geht schlecht

DUH

Eine Aktion von vielen: Die „Becherheld“-Kampagne der Deutschen Umwelthilfe zur Reduzierung der Abfallmengen. Foto: DUH

 

Versucht haben es viele Bäckereien, teilweise mit sogar Unterstützung der Stadt und anderer Institutionen. Doch bislang laufen alle Bemühungen die Becherflut des Coffee to go einzudämmen ins Leere. Die Kunden nehmen den Mehrwegbecher einfach nicht an – trotz Rabatten, Sonderaktionen und großer Werbetrommel. „Die Kunden sind bequem und möchten keinen Becher mit sich herumtragen“, äußerte Ralf Nietz, Inhaber der Bäckerei Benter in Oberhausen, seine Vermutung unlängst gegenüber der Tageszeitung „WAZ“.

Mehrere große Oberhausener Bäckereien bestätigen die Aussage: Die Kunden würden das Angebot, die eigene Tasse bei Bäckereien füllen zu lassen statt einen Pappbecher zu nutzen, selten bis gar nicht in Anspruch nehmen, so die „WAZ“. Auch die Stadt Oberhausen wirbt seit Juni für die abfallvermeidende Variante des Mehrweg-Kaffeebechers. Sie initiierte die „Aktion Mehrwert“ und kündigte satte Rabatte auf den regulären Kaffeepreis an. Die Botschaft: Wer Mehrweg statt Pappbecher benutzt, soll belohnt werden. Doch es funktioniert nicht. Nicht mit Thermobecher in Kombi mit einem Kaffeegutschein, nicht Rabatten und auch nicht mit dem Angebot, jeden beliebigen sauberen Behälter zu befüllen.

Nach Berechnungen des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie lohnt sich ein Mehrwegbecher nach spätestens zwei Monaten, wenn man jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit einen typischen Coffee to go-Becher kaufen und wegwerfen würde. Ab dann ist es ökologischer, ihn aufzufüllen, statt einen weiteren Einwegbecher zu benutzen.

Bequemlichkeit und Vergesslichkeit sind wohl die stärksten Gegenspieler des Mehrwegbechers. Selbst die Kaffeetrinker, die sich heute einen Mehrwegbecher zulegen, vergessen ihn vielleicht morgen früh zuhause und greifen dann doch wieder zum Einwegbecher, um nicht noch einmal Pfand zahlen zu müssen. Eine Lösung steht in dieser Sache noch aus. Bis es soweit ist, steigen vielleicht wieder einige Kunden um und trinken ihren Kaffee nicht to-go, sondern to-stay, indem sie beim Bäcker einige Minuten verweilen und den Kaffee aus einer Porzellantasse trinken.