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Aktion „Remmel-Semmel“

Bis Ende Oktober protestieren nordrhein-westfälische Bäcker mit sogenannten „Remmel-Semmeln“ gegen die angekündigte Hygieneampel im Bundesland. Normale Brötchen werden unter dem Namen „Remmel-Semmel“ verkauft; auf speziellen Tüten und Flugblättern wird über das geplante Gesetz informiert. 800.000 Tüten sind im Umlauf. 164 Bäckerei-Betriebe machen mit.

Verbraucherschutzminister Johannes Remmel plant mit den Farben Grün, Gelb, Rot Kontrollergebnisse der 15.000 Lebensmittelbetriebe in NRW öffentlich auszuweisen. Das Gesetz soll voraussichtlich im Frühjahr verabschiedet werden und würde dann nach drei Jahren für alle Betriebe verbindlich werden.

Der Verband des Rheinischen Bäckerhandwerks warnt ausdrücklich davor, Firmenexistenzen aufs Spiel zu setzen. Die Hygiene-Ampel könne Betriebe unter Umständen an den Pranger stellen. Die Beurteilungsmaßstäbe seien unklar und könnten von den Kontrolleuren sehr unterschiedlich ausgelegt werden. Die Ampelbewertung gebe keine Auskunft darüber, in welchem Bereich es zu Beanstandungen gekommen sei – ob bei der Dokumentationspflicht oder bei der Hygiene. Wer bei der schriftlichen Dokumentation Mängel habe, könne kaum noch eine grüne Einstufung bekommen. Der Verbraucher denke aber dann schnell, es mangele an Hygiene im Betrieb.

Diese Fehleinschätzung könne vor allem kleine Betriebe schnell ruinieren, warnt der BIV Rheinland und hält den Alleingang von NRW als überflüssig und schädlich. „Wir möchten nicht, dass Betriebe öffentlich aungeprangert werden und damit ihre Existenz und viele Arbeitsplätze verloren gehen und dies auf der Grundlage einer einzelnen Entscheidung eines Kontrolleurs“, sagte Landesinnungsmeister Bernd Rott gegenüber der „Westdeutschen Zeitung“.

Minister Remmel weist die Kritik zurück. „Wir zeichnen Betriebe aus, die gut sind und erhöhen den Druck auf die schwarzen Schafe“, sagt er der Zeitung. „Ich würde mir wünschen, dass die Verbände sich mehr auf die Seite der guten Betriebe stellen als vor die Betriebe, die ganze Branchen in Verruf bringen.“ Ein Pilotversuch in zwei Städten sei ein voller Erfolg gewesen und habe gezeigt, welche Vorteile die Hygiene-Ampel bringe. Das geplante System schaffe Transparenz, Sicherheit udn Vertrauen und fördere einen positiven Wettbewerb.