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Neuer Bäckerpräsident gewählt – was auf Wippler wartet

Das Ergebnis der Präsidentenwahl ist keine Überraschung. Mit 84 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung wählten die Delegierten heute in Hamburg Michael Wippler (61, Foto) als Nachfolger von Peter Becker (69) zum neuen Präsident des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks. Was bedeutet das für das Bäckerhandwerk?
Die Zahl der backenden Betriebe – seit Jahren auf Talfahrt. Die Zahl der Azubis – seit dem Jahr 2000 nahezu halbiert. Die Zahl der backenden Lebensmittellhändler und SB-Bäckereien – im Aufwind. Fakten, die ein Bäckerpräsident kaum beeinflussen kann. Fakten, die seine Arbeit aber grundlegend bestimmenu

Seit Peter Becker am 21. November 2000 in Magdeburg zum Bäckerpräsidenten gewählt wurde, hat er das Handwerk geprägt wie kaum ein anderer. Schritt für Schritt modernisierte er in den vergangenen 15 Jahren den Zentralverband, verlegte die Geschäftsstelle von Bad Honnef nach Berlin und rückte den Zentralverband damit in die Nähe der politischen Meinungsbildner. Die Stimme des Zentralverbands wird gehört – in Berlin, in Brüssel und in den Medien.

Wenn Peter Becker auftrat, dann repräsentierte er immer einen modernen, zukunftsgerichteten Verband, der sich seiner Jahrtausende alten Tradition bewusst ist. Computersteuerung in der Backstube und im Laden den Kunden ein Stück Tradition verkaufen – dafür steht heute der Zentralverband, den Becker in seinen rekordverdächtigen fünf Amtszeiten geformt hat.

Michael Wippler hat diesen Modernisierungskurs seit dem Jahr 2000 im Präsidium mitgetragen, ist seit September 2009 Vizepräsident. Der Weg zum Präsidenten war vorgezeichnet. Doch ist er die richtige Wahl?

Eindeutig: Ja! Wippler hat einen Top-Betrieb in Dresden aufgebaut, der modern und gleichzeitig traditionsbewusst ist. Wippler kann Menschen für sich einnehmen, er wirkt ausgleichend, polarisiert nicht, arbeitet zukunftsorientiert, nicht rückwärtsgewandt, weiß, wann es sich zu kämpfen lohnt. Das kann ihm helfen, die wichtigen Diskussionen der kommenden Jahre auf einer sachlichen Ebene zu halten, auch wenn die Emotionen hochkochen sollten.

Die Zahl der Innungen schrumpft, Fusionen – auch bei Landesverbänden – sind unvermeidbar, selbst wenn manche das nicht wahrhaben wollen und an ihren Ämtern hängen. Der Verband muss den Weg zum modernen Dienstleister für alle Bäcker weitergehen, und die Zukunftsbetriebe werden größer, stellen mehr Anforderungen, wollen wissen, wofür sie ihr geld ausgeben. Der Verband muss in Berlin und Brüssel gegen unsinnige Vorschriften kämpfen, sich weiter Gehör verschaffen. Der Fachkräftemangel wird sich verschärfen – trotz Flüchtlingen, die in Backstuben arbeiten. Kunden kaufen heute anders ein, das Internet wird auch den Kauf beim Bäcker verändern.

Themen, die Wippler und das heute in Hamburg gewählte Präsidium angehen müssen. Mit dem 37-jährigen Daniel Schneider haben sie einen engagierten Hauptgeschäftsführer an ihrer Seite, der zum modernen Image des Verbandes beiträgt. Beste Voraussetzungen für Michael Wippler, das deutsche Bäckerhandwerk trotz schrumpfender Betriebs- und Lehrlingszahlen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Seit heute Vormittag hat er das Heft in der Hand. Mindestens vier Jahre lang.