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Aufgeschobener Kaffee

Der aufgeschobene Kaffee: Praktische Nächstenliebe schnell und anonym. Foto: Suspended Coffee Germany

 

Die Idee stammt ursprünglich aus Neapel. Auch in Deutschland funktioniert sie wunderbar. Jemand bestellt sich einen Kaffee und bezahlt zwei. Der zweite wird zum „aufgeschobenen“ Kaffee, einer für jemanden, der sich an diesem Tag sonst keinen Kaffee leisten könnte. Mehr als 300 Betriebe machen bei dem Projekt Spendiert – Suspended Coffee Germany derzeit mit. Zwei davon sind die Bäckerei Dahlmann in Dortmund und die Bäckerei Brot und Stulle in Hamburg St. Pauli. Ihre Erfahrungen sind ausschließlich positiv. Mehraufwand? Fehlanzeige.

„Pro Tag haben wir fünf bis zehn aufgeschobene Kaffees“, erzählt Björn Kramer von der Hamburger Bäckerei Brot und Stulle. Striche auf einer Tafel im Ladenlokal zeigen die jeweilige Anzahl. Eine Handvoll Kunden bezahlten täglich einen oder mehrere Kaffees zusätzlich und meist seien es die gleichen Menschen, die kommen und sie sich holen. Gefragt werden die Kunden nicht danach, ob sie ein weiteres Getränk bezahlen wollen. Das regelt ein Schild im Laden. Auch wird niemand gefragt, ob er tatsächlich bedürftig ist. Dieser aufgeschobene Kaffee laufe gänzlich nebenbei und verursache keinen Mehraufwand, sagt Krämer.

Die Dortmunder Bäckerei Dahlmann bietet ebenfalls aufgeschobene Kaffees im Rahmen der Aktion „Suspended Coffee“ an. Allerdings ist das Angebot umfangreicher und etwas anders aufgestellt. „Unsere Bäckerei liegt in einem Zentrum der Armut“, erzählt Annemarie Dahlmann, seit 41 Jahren Chefin der Dortmunder Bäckerei. Für sie sei es daher immer eine Selbstverständlichkeit gewesen, Bedürftigen morgens ein Frühstück zu geben. Dazu gehört für die Dortmunderin ein Kaffee und ein belegtes Brötchen. Die Bäckerei öffne werktags um fünf Uhr. Wenn die zahlenden Kunden kommen, seien die Obdachlosen längst wieder weg. Aber es störe sich auch niemand an ihnen. Dahlmann regelt den aufgeschobenen Kaffee über Gutscheine. Für 2,50 Euro, die ein Kunde freiwillig zu seinem Einkauf bezahlt, kommt ein Gutschein an die Pinnwand im Laden. Wer frühstücken möchte, aber kein Geld hat, nimmt sich einen Gutschein und bekommt Kaffee und belegtes Brötchen. Jedes Frühstück ist automatisch durch die Bäckerei subventioniert. Eigentlich kostet das „Gedeck“ 3,40 Euo bei Dahlmann.

 

Die Initiatorin und der Hintergrund

Suspended Coffee greift die Tradition des Caffé Sospeso auf, die aus Neapel stammt und von dort aus inzwischen fast die ganze Welt erreicht hat. Seit April 2013 ist diese Aktion auch in Deutschland angekommen. Die damals 17-jährige Saskia Rüdiger ( Foto: Suspended Coffee Germany) wurde in England auf die Aktion aufmerksam, richtete spontan eine Facebook-Seite ein und holte das Projekt damit nach Deutschland. „Oft kann man einen anderen Menschen schon durch eine kleine Geste oder eine kleine Aufmerksamkeit glücklich machen“, so Rüdiger. Das mache sich die Aktion Spendiert! – Suspended Coffee Germany zum Ziel. Ein spendierter Kaffee oder ein Brötchen könnten sehr wichtig sein, wenn jemand überhaupt nichts im Magen hat. „An der konkreten Lebenssituation ändert das vielleicht für den Moment nichts. Aber jedes Mal holt man jemanden von draußen herein in’s Warme, zurück in unsere Gesellschaft, und sagt: „Ich schaue nicht durch dich durch. Ich vergesse dich nicht.“ Das sei ganz einfach und kann doch ein ganzes Leben beeinflussen.

 

Um sozial benachteiligte Menschen in alltägliche Situationen wieder einzubinden, ist es seit Juli 2017 möglich, nicht nur Kaffee, sondern jegliche Produkte und Dienstleistungen zu spendieren. Das Projekt heißt seitdem „Spendiert! – Suspended Coffee Germany“ und ist Teil des Vereins „TiMMi ToHelp e. V.“

Die Vorteile für alle Mitmacher

Die Vorteile für die Betriebe liegen für die Initiatorin auf der Hand. „Zunächst ergibt sich durch die Teilnahme an der Aktion kostenlose Werbung über die Homepage www.suspendedcoffee.de und die Facebook-Seite.“ Marketingmaterial wie Aufkleber, Gutscheine und Informationsflyer stehen dort zum Download zur Verfügung und werden zudem kostenlos an die teilnehmenden Geschäfte versendet. „Die Aktion erfordert keine Geldaufwendung, bringt aber sicherlich neue Kunden.“ Die Aktion verbreitet sich über Facebook und ist weltweit erfolgreich. Seit mehr als sechs Jahren füllt sich auch die Karte von Deutschland mit Teilnehmern auf derzeit mehr als 333 teilnehmende Betriebe. Bei Interesse einfach das Projektteam kontaktieren per Mail: info@suspendedcoffee.de oder über die Website.

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