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Berg mit Riesenmedienecho

Bäckermeister Michael Tenk in der Filiale seiner Bäckerei Tenk-Bomkamp im westfälischen Südlohn.  Foto: Münsterland Zeitung/ Victoria Garwer

 

 

Damit hat Michael Tenk nicht gerechnet: „Jeden Tag kommen im Moment vier Medienanfragen“, berichtet der Bäckermeister der Bäckerei Tenk-Bomkamp in Südlohn bei Münster. Bundesweit berichten Medien. Das WDR-Fernsehen drehte für einen Beitrag am kommenden Montag in der WDR-Lokalzeit.

Bundestagsmitglied Karlheinz Busen reagierte als Erster. „Er besuchte uns am Samstag, blieb eineinhalb Stunden und möchte etwas bewegen“, so Tenk. Auch Landtagsabgeordneter Matthias Goeken, selbst Bäckermeister und CDU-Mitglied, meldete sich telefonisch. Die SPD kam in Person von Bundestagsmitglied Ursula Schulte vorbei. „Hinzu kommen unzählige Anschreiben aus anderen Branchen in denen auch Bürokratie und Kassenbons das Fass zum Überlaufen bringen.“

Er ist aber auch eindrücklich, dieser Berg aus Bonzetteln vor der Theke, die Tenk hat ausdrucken lassen, um die Folgen der neuen Bonpflicht zu demonstrieren. Zwei Tage lang wurde für jeden Einkauf in der Filiale ein Kassenbon ausgedruckt, wie „Der Westen“ berichtet hatte. Alle Kunden, die keinen Kassenzettel benötigten, ließen ihn einfach im Geschäft liegen. Es entstand ein Berg aus etwa 500 bis 600 Bons. Tenk machte ein Foto davon, postete es auf seiner Facebookseite und wendete sich an die Politiker des Landes. Er lud alle herzlich zur Besichtigung des Müllhaufens ein.

„95 Prozent der Kunden wollen keinen Bon mitnehmen“, so Tenk gegenüber dem „Der Westen“. Er stehe selbst regelmäßig hinter dem Tresen. In der Zukunft hat er dafür vielleicht keine Zeit mehr, denn die Vorschrift sei viel mehr Aufwand. „Wir müssen die Bons be- und entsorgen. Außerdem rechne ich mit 500 bis 1.000 Euro Mehrkosten pro Filiale“, so Tenk. Die Bürokratisierung gehe an die Substanz. Zudem fürchte er wegen der Chemikalien auf dem Bon-Papier um die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Nach zwei Tagen ist für Tenk erst einmal Schluss mit den Kassenbons. „Eigentlich wollte ich morgen die Aktion fortsetzen, aber ich möchte meinen Kindern eine nicht noch schlechtere Erde hinterlassen.“ Zumindest bis zum Jahreswechsel wolle er auf den zusätzlichen Abfall verzichten. Mal sehen, wie hoch die Wellen dieses Protestes noch schlagen und was er bewirken kann.