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Brotkultur in Gefahr

Bäckerpräsident Michael Wippler kritisiert Foodwatch für ihre Kampagne zur angeblich irreführenden Gesundheitswerbung. Damit will die Verbraucherorganisation ein Verbot für Gesundheitsaussagen bei sämtlichen Lebensmitteln bewirken, die „zu süß, zu fett oder zu salzig“ sind. Nach gegenwärtigem Recht darf Vollkornbrot als Ballaststoffquelle und frisch gepresster Orangensaft als reich an Vitamin C beworben werden. Folgt man den Plänen von Foodwatch, würde sich das ändern. Dann dürften nur noch Lebensmittel, die in die sogenannten „Nährwertprofile“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) passen, als gesund gelten.

Nach den Plänen von Foodwatch wären Vollkornbrot, Sauermilchkäse und frischer gepresster Orangensaft wegen ihres Salz- bzw. Zuckergehalts ungesund. Damit wäre auch die von der Deutschen UNESCO-Kommission als „immaterielles Kulturerbe“ geschützte Deutsche Brotkultur unmittelbar gefährdet. Denn jahrhundertealte Rezepturen müssten dann wegen ihres vermeintlich zu hohen Salzgehalts geändert werden. „Wir brauchen keine Geschmackspolizei. Nährwertprofile sind eine Bevormundung der Verbraucher. Wer diese fordert, hält den Verbraucher für zu dumm, um selbst entscheiden zu können. Wir wollen die Brotvielfalt erhalten und kein politisch diktiertes Einheitsbrot“, so Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Nach Ansicht des Zentralverbandes verdreht Foodwatch bewusst die Tatsachen, arbeite unwissenschaftlich und täusche damit Verbraucher wie Parlamentarier.

Hintergrund: Das EU-Parlament will nächste Woche für eine Überprüfung der Nährwertprofile votieren – was Foodwatch nach Wipplers Ansicht wahrheitswidrig als deren Abschaffung darstellt. Tatsächlich sollen nur die „wissenschaftliche Grundlage, Sinnhaftigkeit und Realitätsnähe“ der Einführung von Nährwertprofilen überprüft werden.

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