Internorga: Hauptsache bunt
Farbenfrohe In-Getränke, mehr Gemüse in Snacks sowie Croissants in allen möglichen Variationen waren Höhepunkte der Außer-Haus-Messe Internorga 2026, die am Sonntag in Hamburg zu Ende ging. Trotz Schließung der Bäckerhalle bleibt die Messe wichtiger Impuls- und Ideengeber für Bäcker offenbar nicht nur aus Norddeutschland. Am Stand der Hamburger Konditoren-Innung unterstützte Felix Rommel (Mitte) von der Akademie Weinheim die Präsidentin des Deutschen Konditorbundes und Jurorin Bettina Schliephake-Buchardt (links) sowie Schokolatier Kevin Lühmann (rechts). Der Geschäftsführer der Bäckerei Die Lohners aus Polch, Bernd Kütscher, streifte ebenso über das Gelände wie Vertreter der Bäckerei Büsch aus Kamp-Lindfort. Sie alle ließen sich von spannenden Messetrends inspirieren.

Farbe ist Trumpf
Da junge Zielgruppen der Gen Z und Alpha keinen Kaffee mehr trinken, boomen seit längerem sogenannte Signature-Drinks wie Matcha-und Chai-Latte. Sie werden durch farbenfrohe Variationen mit Extrakten der lilafarbenen asiatischen Yamswurzel, von Mango, Beeren und Roter Beete ergänzt. An der Trendbar des schwedischen Haferdrink-Anbieters Oatly standen Kunden für Getränke wie Guave-Kokosnuss-Latte, Carotcake-Matcha-Latte oder Iced Apricot-Thyme-Matcha Schlange. Teespezialist Eilles aus Hamburg präsentierte Rezepturen für Eisteegetränke unter anderen auf Basis der noch relativ unbekannten Haskapbeere – einer süß-herben sibirischen Beere, die dank ihres Vitamingehalts als neues Superfood gilt.

Preise im Blick
Einige der 1200 Aussteller erkennen angesichts globaler Krisen eine zunehmende Preissensibilität ihrer Kunden – und kündigen bereits vorsichtig eigene Preissteigerungen an. Dennoch wächst die Nachfrage nach außergewöhnlichen wie bezahlbaren Foodservices. Salomon Foodworld reagiert auf steigende Rindfleischpreise mit einem „smarten“ Rindfleisch-Pattie, der zu 40 Prozent aus Weizenproteinen besteht. Zusätzlich hat der TK-Convenience-Anbieter Gemüse-Patties aus Butternut-Kürbis sowie Kimchie ins Portfolio aufgenommen. Pflanzliche Lösungen bleiben bei Kunden überaus beliebt. Das neue vegane Softeis der Flora Group aus Hamburg etwa stieß bei Messebesuchern auf großes Interesse. „Es ist muss nicht gekühlt werden, ist vegan, lactose- und glutenfrei, enthält keine Nüsse und ist damit für alle Eisfans, also auch für Allergiker, geeignet“, sagt Marketingleiterin Saskia Fritsch. Von Geschmack und Textur ist es von herkömmlichem Softeis nicht zu unterscheiden. Lösungen für passende Eismaschinen auch für kleine Bäckereien werden derzeit erarbeitet.

Internorga setzt Wachstum fort
Die Internorga 2026 zeigte vom 13. bis 17. März in Hamburg, wie dynamisch sich die Hospitality- und Foodservice-Branche aktuell entwickelt. Rund 85.000 Besucher schauten sich an den fünf Messetagen die Produkte der mehr als 1200 Austeller an, meldet die Messegesellschaft. Trotz des weiterhin herausfordernden Umfelds für Gastronomie und Hotellerie durch Kostendruck, Fachkräftemangel und Digitalisierungstempo sei die Stimmung geprägt gewesen von Neugier und Optimismus. Mit einer Fülle an Trends und Impulsen habe die internationale Messe positive Aufbruchssignale senden können – getragen von neuen Konzepten, frischen Themenbereichen wie Wein und Robotics sowie umfangreichem Brainfood durch die führenden Kongresse und Awards.
Volle Hallen, intensiver Austausch und zahlreiche Neuheiten prägten von Beginn an das Bild auf der gesamten Internorga. Schon der Auftakt verdeutlichte die große Nachfrage der Branche
nach Innovationen und die gestiegene internationale Reichweite der Messe. Ein besonderer
Schwerpunkt lag auf der neu strukturierten Halle B5. Erstmals seit sechs Jahren präsentierten sich
hier wieder Ausstellende aus dem Bereich Startups & Drinks sowie die Newcomers Area, der
Trendbereich Future Food und die What the Food! – by foodlab Bühne. Ergänzt wurde das
Angebot durch die Themen Robotics und der Deep Dive Area sowie die Afterwork-Lounge OFF
THE RECORD, die an drei Abenden zusätzliche Networking-Möglichkeiten bot. „Es ist
beeindruckend zu sehen, wie stark sich die ‚neue‘ Halle innerhalb von so kurzer Zeit entwickelt hat.
Die Mischung aus Startups, Newcomern, Drinks, Future Food und Zukunftsthemen wie Robotics
hat eine Dynamik erzeugt, die perfekt zur Internorga passt“, so Matthias Balz, Messe-Director. „Für mich ist das in diesem Jahr ganz klar ein Sinnbild für Innovationskraft,
Aufbruchsstimmung und die enorme Energie, die diese Messe und die gesamte Branche
auszeichnet.“
Frischer Input für die Branche – von Green Hospitality bis Weinwelt
Mit der Neustrukturierung der Ausstellungsbereiche gewann Living & Dining deutlich an Fläche
und war 2026 erstmals in fünf Hallen vertreten. So erhielten Einrichtung, Ausstattung und
zukunftsweisende Hospitality-Konzepte noch mehr Aufmerksamkeit, flankiert von der neuen Green
Hospitality Conference zu nachhaltigen Ansätzen. Das Thema Wein, ein wachsender Bestandteil
moderner Gastronomie, erhielt in diesem Jahr eine deutlich größere Bühne. Neben dem Wine
Tasting by Pese-Wein, das professionelle Verkostungen und fachlichen Austausch bot, feierte die
neue WeinWelt Premiere. In Kooperation mit Wein Weber präsentierten rund 30 Winzerinnen und
Winzer ihre Kollektionen und trafen auf reges Interesse der Besuchenden.
Positive Resonanz aus allen Bereichen der Branche
Die starke Nachfrage und der intensive Austausch in den Hallen spiegelten sich auch bei den
Ausstellenden wieder: „Für uns als Ausstellende war die Internorga 2026 erneut ein Erfolg. Trotz
schwieriger Rahmenbedingungen haben wir nicht nur eine stabile Messe, sondern auch eine hohe
Qualität der Gespräche erlebt, sowie eine Resonanz, die unsere Erwartungen tatsächlich
übertroffen hat. Die Atmosphäre war geprägt von echten Zukunftsfragen und einem inspirierenden
Miteinander – genau das macht die INTERNORGA für uns so wertvoll“, so Christian Strootman,
Vorsitzender des Messebeirats und Managing Director bei Zwiesel Fortessa AG.
Nach den ersten Ergebnissen eines unabhängigen Marktforschungsinstituts schlossen sich auch
die rund 85.000 Besuchenden an: 92 Prozent der befragten Personen waren mit dem
Messeangebot sehr zufrieden, 94 Prozent würden die Fachmesse weiterempfehlen.
Hamburg als internationales Drehkreuz von Hospitality und Foodservice
Mit vier Nationenpavillons und einem Ausstelleranteil von 25 Prozent aus dem Ausland unterstrich
die Internorga 2026 ihre gewachsene internationale Bedeutung. „Die globale Beteiligung zeigt,
wie relevant die Internorga weit über Deutschland hinaus ist“, so Heiko M. Stutzinger, CEO
der Hamburg Messe und Congress. „Sie verbindet weltweite Perspektiven mit der besonderen
Atmosphäre Hamburgs – einer Stadt, die seit jeher Austausch und Offenheit lebt. Genau diese
Mischung macht die Internorga zu einem Ort, an dem Zukunft gestaltet werden kann.“
Die nächste Internorga findet vom 12. bis 16. März 2027 statt.
