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Gepanschte Lebensmittel

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Die von Europol und Interpol veröffentlichten Zahlen zu gefälschten Lebensmitteln sind alarmierend: gepanschter Alkohol, mit Kunstdünger gestreckter Zucker, mit giftigen Chemikalien gefärbte Oliven und kiloweise Affenfleisch. Nie zuvor haben die internationalen Behörden so viele gepanschte Lebensmittel und Getränke beschlagnahmt. „Seit dem Pferdefleischskandal 2013 wissen wir, dass es kriminelle Netzwerke gibt, die Lebensmittel fälschen. Es wird den Tätern sehr leicht gemacht“, sagte Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch den Lübecker Nachrichten. „Hier helfen nur effektive juristische Heben und keine Appelle an das Verbraucherverhalten.“

 

„Die gepanschten Lebensmittel bedrohen Gesundheit und Sicherheit von Verbrauchern auf der ganzen Welt“, sagt Michael Ellis von Interpol. Die Gewinnspanne sei hoch, die Kontrollen seien rar und die Gefahr bestraft zu werden, so gut wie nicht existent. Die organisierten Banden machten mit den gefälschten Lebensmitteln Milliarden, sagen die Experten.

Abhilfe könnte gesetzlich verpflichtete Eigenkontrollen des Lebensmitteleinzelhandels bringen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert, die Einzelhändler in die Pflicht zu nehmen, ihnen Eigenkontrollen gesetzlich vorzuschreiben, um Lieferketten sauber zu halten. Zudem könne ein „Online-Pranger“ wichtige Aufklärungsarbeit leisten, der die Unternehmen aufführt werden, die gegen die strengen Auflagen verstoßen. Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) denkt über Maßnahmen nach: „Angesichts der Erfahrung ist davon auszugehen, dass Lebensmittelbetrug immer lohnender und attraktiver wird“, so die Behörde.

„Theoretisch können alle Produkte auch in Deutschland betroffen sein“, sagte Isabell Mühleisen, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherschutzzentrale, den Lübecker Nachrichten. „Es lässt sich im Moment nicht nachvollziehen, welche Ketten und Marken Lebensmittel aus der aktuellen Liste bezogen haben.“ Bei teuren Produkten wie Fisch und Bioprodukte ließe sich viel Geld verdienen; bei billigen Lebensmitteln mache es die Masse. „Im Lebensmittelmarkt ist leider Misstrauen angesagt“, so Thilo Bode von Foodwatch.